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Ein kleiner Erfahrungsbericht meinerseits rundum das Trampen (Hitchhiking).

Meine erste Reise zusammen mit meiner Freundin begann in Sachsen, führte uns durch Frankreich bis zur spanischen Grenze und weiter an der Ostküste Spaniens bis nach Valencia. Von dort aus sind wir mit einem Fernbus nach Maro (östlich von Málaga) gefahren, um dort wenige Wochen zu leben. Soviel vorweg…

Als ich meine Pläne über das Reisen schilderte, wurde ich oft gefragt warum ich trampen möchte, wie man das macht und besonders oft wurde ich gefragt, ob ich nicht Angst davor hätte. Bevor ich genauer auf die Route eingehe, möchte ich genau diese und weitere Fragen klären und darauf hinweisen, dass das lediglich meine Erfahrungen sind und das Reisen Menschen- und Länderabhängig ist.

Warum trampen?

In meinem Kopf kam erst der Entschluss, dass ich verreisen möchte und erst danach kam mir die Idee zu trampen. Was mich dazu gebracht hat, waren die Gründe für das Ausbrechen meines Alltags. Ich wollte weg.

Ich wollte mich reifen und wachsen lassen, wie eine Frucht an einem Baum.

Ich wollte neue Leute kennenlernen und besonders auch mich selbst besser kennenlernen, indem ich an meine Grenzen stoße. Für mich als eher schüchterne Person war das, wie ein Sprung ins kalte Wasser. Es hat sich gelohnt.

Denn das Trampen ist nicht nur eine billige Art und Weise von A nach B zu kommen, sondern auch eine kommunikative, abenteuerliche und erkenntnisreiche. Bei keinem anderen Weg lernt man die Orte, Gegenden, Kultur und Mentalität so gut kennen. Ein guter Beigeschmack war unter anderem auch das viele Nutzen der, in meinem Falle, Europakarte, da ich nun schlauer bin in Sachen Geografie, Kartenlesen, etc.

Ja und es macht auch schlichtweg Spaß zu trampen und man bekommt gern mal einen Insider Tipp von Locals

Was sind Vorrausetzungen für das Trampen?

Ich habe mich vor Start der Reise gut erkundigt und konnte mir alles Nötige besorgen, um sorgenlos an der Straße mit einem Pappschild zu stehen. Mein erster Tipp ist also: Erkundigen! Trampen läuft nicht in jedem Land gleich ab, sowie sind Autobahnen bzw. die Straßenverhältnisse überall verschieden. Auch wäre es nützlich ein paar Fakten über das Land/ die Region, sowie über die Sprache zu wissen. Zum Beispiel kann man dann potentielle Mitfahrgelegenheiten auf deren Sprache begrüßen, das weckt schon mal einen besseren Eindruck.

Eine weitere Vorrausetzung ist das Reiseequipment. Die Basis ist erstmal ein guter Rucksack, der groß genug ist, um alles zu verstauen. Aber der nicht zu groß ist, sodass man ihn noch tragen kann. Um Rucksäcke auszuprobieren kann man in ein Geschäft gehen und verschiedene Rucksäcke Probe tragen. Verkäufer füllen ihn dann auch gern mit Gewichten- einfach nachfragen und erklären für was der Rucksack dienen soll.

Ich habe mir einen Reisetag in Gedanken vorgestellt und überlegt, was ich alles brauche- Früh, Mittag, Abend. Das heißt zum Schlafen eine Isomatte, Schlafsack (der wetterpassend ist), ein Zelt oder ähnliches (Plane, Hängematte), Decke, Kissen, das ist individuell und kommt auf die Übernachtungsmöglichkeiten an. Ich habe meistens draußen auf meiner Isomatte unter einer gespannten Plane im Schlafsack geschlafen. Als Kopfkissen nahm ich einfach einen Pullover, so sparte ich Platz im Gepäck.

Hinzu kommen Utensilien für die Verpflegung. Ich besorgte mir hierfür einen kleinen Campingkocher, Alu-Töpfe, Gaskartuschen und nahm mein Messer und einen Löffel mit. Zudem erwies sich als nützlich indem Bereich: ein Lappen, Müllbeutel, Grundnahrungsmittel (Salz und Öl wurden plötzlich auch wichtig),

Des Weiteren nahm ich mit: eine Taschenlampe, zwei Stifte für die Pappschilder, Kabelbinder, Panzertape, eine Schwere, eine Powerbank, eine Trinkflasche, eine kleine Notfallapotheke, ein Feuerzeug, etwas zur Beschäftigung (Buch, Spielkarten, Kopfhörer,…)

Ansonsten einfach das mitnehmen, was einen glücklich macht und sinnvoll ist. Jedes Gramm macht sich auf dem Rücken und auf der Hüfte bemerkbar! Das heißt: „weniger ist mehr“.

Wobei wir schon bei der nächsten Frage angelangt sind.

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Was nehme ich mit?

Ich habe bereits vieles aufgezählt, aber es fehlen natürlich noch ein paar Dinge, die ich erwähnen möchte. Es ist sinnvoll eine Packliste anzufertigen. Das heißt; alles aufschreiben, was man mitnehmen möchte und anschließend erstmal das gesamte Hab und Gut vor einem hinlegen. So hat man einen guten Überblick und bewahrt diesen auch.

Wie schon gesagt, ist es schlauer, wenn man weniger mitnimmt. Wenn etwas fehlen sollte, kann man es immer noch während der Reise besorgen oder improvisieren. Statt einen extra Teller mit zu nehmen, aßen wir einfach direkt aus dem Topf. Und man braucht auch nicht mehr als zwei Töpfe oder anderes Geschirr. Ein Schraubglas wurde bei mir zum Beispiel als Trinkgefäß genutzt und als mein Löffel im Sand verschwand, bastelte ich aus Schilf etwas zum löffeln.

So spart man nicht nur Ballast, sondern wird auch noch kreativ.

Thema Kleidung. Das mag wohl erstmal banal klingen, aber auch da kann man Gewicht reduzieren. Ich suchte mir Klamotten heraus, die wettergerecht und vielseitig waren. So wurde mein Wandbehang zur Decke und gleichzeitig zum Umhang, als es kälter wurde. Und wie bereits bei den Vorrausetzungen beschrieben, nahm ich meinen Pullover als Kissen. Zudem habe ich auch Kleidungsstücke mitgenommen, die mich glücklich machen. Das wertet so manchen trüben Tag auf (bei mir war es ein buntes Kleid aus Indien, ein Mitbringsel).

Und wie packe ich alles in den Rucksack?

Da gibt es eine wichtige und simple Faustregel: Das Schwerste nach unten!

Sprich man packt Zelt, Kartuschen, etc. in den unteren Teil des Rucksacks, denn der wiegt mehr auf der Hüfte und es wird weniger der Rücken belastet.

Angst, Probleme, Sorgen?

Angst hatte ich persönlich nicht. Aber das lag wohl unter anderem daran, dass ich Französisch in der Schule lernte und somit mich einigermaßen verständigen konnte, was mir wirklich weiterhalf. Manchmal hatten wir das Problem zu wenig Trinkwasser mitgenommen zu haben und auch zu wenig Essen, da wir zu faul waren alles zu tragen. Nicht überall findet man einen Supermarkt, wenn es drauf ankommt. Und auch wenn das Meer vor uns lag, Salzwasser half uns nicht weiter.

Tipps

Allgemein kann ich sagen, dass es einfacher war eine Mitfahrgelegenheit zu finden, als wir direkt bei Tankstellen und Rasthöfen standen. Dort kann man die Fahrer einfach fragen, wohin deren Reise geht. Seid flexibel! Oftmals haben wir mit den Fahrern ein Kompromiss schließen können. Notfalls nimmt man sich einfach die Landkarte dazu und lässt sich von ihnen zeigen, wohin sie fahren. Manchmal saßen wir auch einfach bei einer Tankstelle mit unserem Pappschild daneben und die Menschen sind von allein zu uns gekommen und haben uns gefragt, ob wir mitfahren wollen. Das war natürlich Luxus.

Zum Pappschild kann ich nur sagen, dass es nützlich ist Richtungsangaben drauf zu schreiben, zum Beispiel die Autobahn, mit Pfeilen oder größere Städte. Außerdem kann man noch ein Bitte auf der jeweiligen Sprache in Abkürzung auf das Schild schreiben (frz.: s.v.p. für s’il vous plaît).

Seid offen! Wenn du Menschen ansprichst, eröffnen sich oftmals neue Wege und Möglichkeiten die Reise zu optimieren. So gelang es uns zum Beispiel eine Unterkunft zu bekommen und mit meinem Motorboot eine Spritztour auf dem Mittelmeer zu machen.

Wenn ihr ein Smartphone mitnehmt, ladet euch zuvor nützliche Apps runter. Es gibt eine Vielzahl von Apps, welche man auch ohne Internet benutzen kann, zB für Übersetzungen, offline Landkarten,…

Zu meiner Route

Unser Ziel war es im Süden von Spanien zu landen. Meine Freundin hatte sich bereits Orte auf ihrer Karte gekennzeichnet, wo Kommunen sind. So waren wir erstmal vollkommen flexibel und hatten trotzdem ein Ziel vor Augen.

Wir starteten in Leipzig und landeten nach circa 12h in Frankreich, wir fuhren die Nacht durch. Am zweiten Tag gelang es uns von Nancy in Frankreich bis nach Montpellier zu kommen, wo wir die erste Nacht am Meer verbrachten. Am dritten Tag waren wir schließlich in Spanien und reisten an der Ostküste entlang. Wir nahmen schöne kleine und große Städte mit, unter anderem: Santa Susanna, Calella, Barcelona, Sitges, Cambrils, Calafat und Valencia.

Von Valencia bis nach Maro über Málaga nahmen wir einen Fernbus. Der war recht teuer, aber hatte eine gute Ausstattung, so war die Fahrt angenehm und genau richtig nach zwei schlaflosen Nächten.

In Maro gibt es einen Strand, wo wir länger blieben und viele nette Menschen kennenlernten. Darunter waren Strandbewohner, Tramper und Besucher. Unser Wasser besorgten wir aus einer Quelle, die Nahrung holten wir uns vom Recycle Point in Nerja und gewaschen haben wir uns auch in einer Quelle. Es war machte sich ein wohliges Gefühl in mir breit, da man angekommen ist, was mir persönlich während der ersten zwei Wochen fehlte.

Ich kann vollkommen nachvollziehen, dass das Trampen nicht für jedermann ist. Doch ich bereue es nicht und würde jederzeit wieder losreisen, aber nicht allein. Ich war froh, dass ich meine Freundin mit dabei hatte und wir die tollen Momente und Orte zusammen genießen konnten und wir uns auch bei Schwierigkeiten und Mutlosigkeit gegenseitig helfen konnten.

Das Trampen in Deutschland erwies sich als sehr einfach, wobei Spanien schwieriger war, obwohl die Menschen dort tendenziell nach meiner Erfahrung offener. In Frankreich ging es auch fix, was wohl auch an dem guten Autobahnnetz liegt, wie auch in Deutschland.

In Spanien war es vielleicht auch schwieriger, weil die Hitze manchmal unsere Stimmung trübte und die Siesta Autos auf den Straßen reduzierte. Nichtdestotrotz ist das Trampen in Spanien möglich und vor allem auch sehenswert.

Und wenn ihr bzw du jetzt auch losreisen möchtest, dann viel Spaß und lasse einen Kommentar da mit deinen Erfahrungen, Tipps und Favoriten.

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1 Kommentar

  1. Pingback: Die Sonntagsleserin ist zurück… | Ein eigenes Zimmer.

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