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„Hey, du hast coole Haare. Aber sage mal, wie wäscht du die?“

Fragen, wie diese und viele Weitere werden mir gestellt, wenn ich auf Menschen treffe.

Aus diesem Grund möchte ich ein paar Fragezeichen im Kopf der Interessierten aufklären mithilfe meiner eigenen Erfahrung und angesammeltem Wissen.

Ich persönlich habe seit über zwei Jahren Dreadlocks. Am Anfang waren es nur 2, 3 und nun sind es mehr als 40 Würmchen auf meinem Kopf.

Die Erstellung

Wenn man den gesamten Schopf verfilzen möchte, braucht man Zeit und Geduld, da die Erstellung mehrere Stunden dauert. Bei mir wurden zuerst alle Haare in kleine Zöpfe eingeteilt. Anschließend werden die Strähnen mit einem sehr feinen Kamm (Läusekamm) toupiert und danach mit einer Häkelnadel (0,6mm-0,75mm) verfilzt. Hierfür muss man kein Häkelprofi sein. Denn eigentlich wird die Nadel nur in die Strähne gestochen und circa bis zur Hälfte wieder hinausgezogen. Das Ziel ist es die Haare zu verknoten und zu verfilzen. Letztendlich ist das auch schon alles. Man kann natürlich noch viele weitere Methoden anwenden, das kommt auf die Wunschvorstellung drauf an. Denn es gibt auch zum Beispiel ‚Natural Dreads’, die man nicht häkelt, sondern einfach in Ruhe lässt bis die Haare sich von ganz allein verfilzen und Dreadlocks entstehen. Auch kann man die Strähnen nach dem Toupieren zwischen beiden Handflächen rollen, somit entstehen auch Knoten.

Neben der ganzen „Wie macht man Dreads?“ Frage, möchte ich vielmehr klarstellen, dass jeder Dread individuell ist. Es gibt zwar viele Menschen mit Dreads, aber an sich sehen die Haare bei jedem unterschiedlich aus, da jeder eine andere Haarstruktur hat.

Des Weiteren kann das häkeln ziepen und weh tun, was manchmal nicht sehr angenehm ist.

Es ist außerdem wichtig, dass die Haare vor der Erstellung silikonfrei behandelt werden und nach der Erstellung kann man ruhig auf das Waschen der Haare erstmal verzichten.

Pflege und Erhalt

Wenn wir schon mal beim waschen sind, bleiben wir auch bei dem Thema. Theoretisch kann man die Dreads so oft waschen, wie man will. Sowie mit welchen Produkten ist egal. Aber vielleicht hat man persönlich Tendenzen, wie man seine Dreadlocks haben möchte.

Am Anfang würde ich die Dreads zum Beispiel weniger waschen, wie schon geschrieben, da sie noch nicht so stark verknotet und verfilzt sind und durch das Waschen können sie lockerer werden, was auch silikon- und ölhaltige Produkte auslösen. Empfehlen kann ich Anti- Schuppenshampoos, pH-neutrale Seife, Kernseife (Achtung, trocknet stark Haare und Kopfhaut aus). Momentan benutze ich einfach ein Stück Seife, die eigentlich für das Händewaschen gedacht ist, aber ich bin damit vollkommen zufrieden und es ist ausreichend.

Wenn man Dreads sorgfältig auswäscht, dann stinken sie auch nicht oder fangen gar an zu schimmeln. Natürlich gibt es immer Ausnahmen, aber mit ein wenig Verstand kann man wohl verstehen, dass die Haare nicht einfach so bei regelmäßiger Wäsche Schimmel oder Gestank aufweisen. Jedoch kann es sein, dass sich mal etwas darin verfängt oder sich Gerüche festsetzen, aber das kann ja auch bei normalem Haar passieren.

Die Haare wachsen trotz der Dreadlocks, logischer Weise. Das hat zu Folge, dass man irgendwann einen Haaransatz bekommt, der nicht verfilzt ist. Dreads werden also nachgehäkelt oder mit anderen Methoden am Ansatz wieder verknotet und verfilzt.

Wenn man fleißig ist und dies regelmäßig macht, dann bleiben die Strähnen nicht nur schön getrennt, sondern man hat auch keine Minihärchen abstehen, was durchaus oft mal vorkommt. Aber das ist natürlich auch alles abhängig davon, wie man seine Dreads gern tragen möchte.

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Vorteile und Probleme

Wenn man Interesse an Dreads hat, dann tauchen mehr Vorteile auf. Allein das Aussehen kann ein Pluspunkt sein. Aber neben den oberflächlichen Dingen, auch dem Schmücken und einfachem Frisieren, gibt es weitere Vorteile. Für Faulpelze zum Beispiel ist es super Dreads zu haben, da die Haare nicht so oft gewaschen werden müssen und dies spart wiederum Zeit, Wasser und Geld.

Des Weiteren kann sich ein neues soziales Umfeld aufbauen unter Gleichgesinnten. Dreads haben also nicht nur einen ökologischen, sondern auch einen sozialen Vorteil, wenn man daran interessiert ist.

Mit dem Schmuck, was viele auch gern nutzen, im Haar kann man sich nochmal auf eine andere Art und Weise darstellen. Geflochtene Bänder, Perlen, Mitbringsel aus Urlauben (Federn, Muscheln, Steine), ja der Kreativität ist keine Grenze gesetzt. Dreadlocks kann man auch färben und ja, man kann Dreadlocks auch ‚aufkämmen’. So kann man wirklich viel mit den Würmchen anstellen und variieren, ob man einen Pony haben möchte oder eine andere Farbe auf dem Kopf.

Direkte Probleme tauchen womöglich auf, wenn man sich um die Dreadlocks nicht kümmert. Dann kann es passieren, dass sie zusammenwachsen, sich spalten oder ähnliches.

Es kann zu Schwierigkeiten kommen bei der Jobsuche, denn manche Stellen haben ein ‚Profil’ in das man nicht hineinpasst. Meiner Erfahrung nach gab es schon in Kindergärten und Hostessen-Jobs Probleme, um eingestellt zu werden. Das ist aber wieder sehr individuell.

Läuse/ Flöhe sind auch nicht vorteilhaft, aber ich schätze mal, dass diese niemand auf seinem Kopf haben möchte.

Tipps

Wie man am Besten mit den Dreads umgeht und was die eigenen Bedürfnisse sind, stellt sich im Laufe der Zeit heraus.

Ich kann nur raten, sich wirklich ab und zu hinzusetzen, um die Haare zu dreadden, vielleicht auch mit jemanden zusammen. Du wirst garantiert dafür belohnt.

Beim Haare waschen kann ich den Tipp geben das Produkt mehr am Ansatz zu verwenden, statt die Haarlängen einzuseifen. So werden die Längen nicht zu weich und durch weniger rubbeln, entstehen weniger kleine Härchen aus dem Dread. Nach dem Haaren waschen eignet es sich auf den Föhn zu verzichten (außer im Winter bei Minusgraden), somit schont ihr eure Kopfhaut, schützt sie vor dem Austrocknen und könnt Schuppen verhindern.

Wenn eure Dreads neu sind, dann verzichtet lieber erstmal auf Schmuck, wie Perlen und Bänder. Denn Dreads sind am Anfang immer noch weicher und solcher Schmuck könnte unschöne Abdrücke hinterlassen.

Zu kurze Dreads? Dann verlängert sie! Man kann Dreads mit anderem Haar verlängern, indem man das lose Haar dreadded und an die Spitzen häkelt. Aber auch zum Beispiel Filzrollen kann man an die Enden der vorhandenen Dreadlocks häkeln.

Persönliche Meinung

Ja, warum überhaupt Dreadlocks?

Ich habe mich dazu entschieden Dreads zu tragen, weil es mir schlichtweg gefällt und ich aus etwas ausbrechen wollte. Was genau ist mir unklar, aber mein Unterbewusstsein weiß es bestimmt. Vielleicht wollte ich den konservativen Menschen in meinem Umfeld ein Zeichen setzen und mich davon trennen. Vielleicht möchte ich auch ausstrahlen, dass es okay ist anders zu sein, denn eigentlich sind wir doch alle gleich. Da macht es keinen Unterschied, ob man andere Haare hat, Piercings trägt oder bunte Haut hat. Ich habe Oberflächlichkeit satt. Menschen wegen dem Äußeren zu verurteilen und in Schubladen zu schieben mit einer negativen Art und Weise, ist meiner Meinung nach schlimm und ich hoffe, dass das Karma seine Arbeit gut erledigt. Nur weil Menschen Dreadlocks haben, heißt das nicht, dass sie ‚links sind’, sich fleischlos ernähren und Drogen konsumieren. Nein, man kann nicht alle über einen Kamm scheren und das möchte ich vermitteln- auch wenn mein Haarschopf das vielleicht nicht in die weite Welt schreit. Dafür habe ich ja die Fähigkeit meine Hände und meinen Kopf zu benutzen und zu schreiben.

Auch hier glaube ich, hat jeder so seinen eigenen Standpunkt und das ist auch gut so.

Im Endeffekt freue ich mich, wenn mich jemand mit Fragen bombardiert bezüglich meiner Frisur. Egal, ob die Frage schon Vorurteile beinhaltet oder ob es ein einfaches nettes „du hast schöne Haare“ ist.

Und falls jetzt immer noch ungeklärte Phrasen im Kopf stecken, haltet euch nicht zurück!

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