1. Weihnachtsfeiertag

Ich möchte eine Geschichte erzählen.

Am Morgen bin ich nach vier Stunden Träumerei aus dem Bett gepurzelt, habe Steh-Auf Männchen gespielt und bin mit meinen sieben Sachen losgezogen. Unterwegs beobachtete ich Krähen und Raben, wie sie majestätisch stolzieren. Ich nahm einen koffeinhaltigen Trunk zu mir, verpestete meine Lunge und setzte mich auf einem rollenden Gleis nieder. Dann laß ich. Ich laß einen genauso majestätischen Brief mit vielen wahren, bewegenden und tiefsinnigen Worten, welche wohl das beste Weihnachtsgeschenk in dieser Zeit für mich war. Er war an mich adressiert und so wird es auch bleiben, nahm ich mir vor.

So schnell ich saß, genauso schnell stand ich wieder, mit beiden wackeligen Beinen auf dem Grunde meines Ursprungs. Der Wind singt ein leises Lied, keine Krähe ist zu sehen und ich werde mit feuchter Nase empfangen und wertgeschätzt. Noch mehr des koffeinhaltigen Trunkes wanderte zwischen meinen Lippen weiter Richtung Rachen und endete spürbar im Magen, der sich schon beschwerte.

Ich zog weiter meine Kreise, schlurfte umher. Wohin mit meinem Leibe, welches noch im Träume feststeckte und keine Ruhe fand?

Ich legte mich nieder, lauschte den Klängen meines Blutes im Nebenzimmer, welches aufgeregt und müde zugleich war. Mein Blut, mein Nebenan, mein zweites Zuhause mit Namen meines Bruders entpuppte sich im Verlaufe des Tages als gereifte und süße Frucht mit einer Härte, die zum Aufblicken animiert. Mit Stolz und Frohsinn kehrte ich zurück zu ihm, lehnte mich kurz an, fand Halt und ging dem Steh-Auf Männchen Spiel nach.

Irgendwann platzte meine sichere Blase um mich herum und ich wurde ausgeliefert. Nun saß ich da, die Gedanken dort und niemand hier, der mich versteht. Ein wirres Wort, ein böser Blick- so zog ich mich wieder fort, bevor eine Träne herausbricht.
Die schützende Blase umhüllte wieder meine Seele und meinen Leib.
Die Zeit verging und mein Ich wurde träger, schlapper und leerer.
Doch dann passierte es. Ich trat hinter eine Tür, die sich mir öffnete. Ein wirrer Haufen. Ein Seelenhaufen, der zu wachsen schien. Diese Seelen schwatzten, lachten, bewegten sich im Takt des erwähnten Blutes und schienen so hell, wie die Sterne am Himmelszelt. Die Sterne sehe ich mir hier, im Orte meines Ursprungs immer gerne an, weil sie hier besonders grell scheinen. Und ich freue mich sie zu entdecken, wie auch diese Seelen umringt von vier Ecken. Sterne kommen, bleiben jedoch nicht sichtbar für mich. Doch wenn sie da sind, freue ich mich und versuche meine Mauer zu durchbrechen, die mich sonst nur abhält vor Gesprächen. Sie sind wie die Sterne am Himmelszeit, ohne zu umschmeicheln. Doch so geschah es mit mir.
Meine Beine trugen mich, zogen mich und ich vergaß all Leid und schwebte zwischen den Sternenseelen und ging gewappnet meinen Weg.
Trotz meiner Zweifel und meiner Ängste bekam ich einen guten Willen und war bereit es dabei zu belassen.
Auf vier Rädern, bei drei Seelen, mit zwei Wegen und einem Ziel…
Die Träumerei will wieder walten, nachdem ich diese Zeilen schrieb. Gepurzelt wird es wieder morgen. Wer weiß, was wohl am kommenden Tag wundervolles geschieht.

Der Tag davor:
Heilig Abend
#3 PTBS

Scan 7

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