Nummer fünf meiner Serie über die Posttraumatische Belastungsstörung.

Ich weiß nicht genau, ob ich es schon einmal erwähnt habe, so schreibe ich es einfach nun nieder. Der Hacken an diesem Trauma ist, dass man Puzzleteile der Erinnerung im Kopf hat und dieses Puzzle ist nicht vervollständigt. Das heißt also, dass ich nicht komplett weiß, was geschah. Seit geraumer Zeit fallen mir jedoch immer wieder Geschehnisse ein, wie Gerüche, Orte, Worte oder Aktionen. Umso mehr ich mich damit auseinandersetze, desto mehr Puzzleteile kommen zusammen. Aus diesem Grund erzähle ich meiner Therapeutin ein ‚Script’, bei dem ich detailliert schildere, was geschah.

Um dies für mich noch einmal zu wiederholen, soll ich es aufschreiben und überdenken. Dieses Script ist natürlich sehr persönlich und wird hier in diesem Format nicht veröffentlicht, aber ich kann etwas Anderes diesbezüglich schreiben.

Durch die Puzzleteile und das Trauma generell habe ich heute stellenweise gleiche Gefühle, wie damals, als es geschah. Ich markierte sie, speicherte sie ab und füge sie ins ‚heute’ ein.

Das größte Gefühl, welches in mir ist, ist die Angst.

Ich hatte damals Angst.

Ich habe heute Angst.

Ich habe Angst, dass mir so etwas noch einmal passiert. Dass sich jemand über mich stellt, mir all meine Mächte aus Gier und Stolz nimmt und mir Schmerzen zufügt. Diese Angst führt oft dazu, dass ich Menschen nicht an mich heranlasse, bei Berührungen erstarre und kontrolliert bin.

Die Lösung ist einfach in der Theorie. Um eine Angst zu bewältigen, stelle dich ihr. Doch für mich ist das ein Problem. Wie soll ich mich denn den Menschen, in dem Falle Männern, stellen? Ich kenne meine Grenzen und ich kenne meine Bedürfnisse. Ich weiß oft nicht was ich will, aber bin mir sicher bei dem, was ich nicht will. So erschwert sich die Praxis und ich frage mich dennoch, nein ich bin mir sicher, dass ich die Angst irgendwie bewältigen kann. Vielleicht bringt die Zeit mir die Lösungen und Antworten auf meine Fragen, wie es schon des Öfteren der Fall war. Es ist wichtig, dass man sich in Gedanken zurück ins Hier und Jetzt holt und sich die Unterschiede bewusst wird. Heute habe ich die Chance Nein zu sagen und es wird höchstwahrscheinlich akzeptiert. Heute ist nicht damals. Der Mann ist nicht wie alle anderen Männer. Ich habe mich auch verändert und mit diesem Wissen laufe ich mit anderen Augen durch die Straßen und Gassen.

Umso mehr mir diese ganze bewusst wird, desto mehr entwickelt sich der Schmerz in mir in eine Wut. Ich habe lange Zeit mir die Schuld gegeben, doch das ist unberechtigt. Der Mann und ich waren uns nah. Ja, aber seine Taten waren nicht okay- er hat Grenzen überschritten, die zuvor gesetzt wurden. Ich trage keine Schuld.

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Mehr zum Thema: #1 PTBS , #2 PTBS , #3 PTBS , #4 PTBS

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