Ich war gestern in Ostritz beim Friedensfest und einer Gegendemo anlässlich eines rechtsradikalen Festivals. Und ich war nicht nur dort, weil die Oberlausitz mein Ursprung ist. Ich war da, weil es mich so furchtbar erschaudern lässt, dass es Neonazis erlaubt ist ein Festival zu organisieren, wo verbotene Symbole auf gehangen, getragen und verkauft werden und rechte Parolen gerufen werden. Ja, jeder darf und kann. Aber es reicht doch gesunder Verstand, um zu verstehen, dass das so nicht in Ordnung ist!
Direkt auf der Gegendemo und auf dem Friedensfest an sich ist mir nichts Negatives aufgefallen, im Gegenteil. Ich schloss Frieden. Ich sah eine Person wieder, die wohl am stärksten meine Kindheit prägte und diese Situation fühlt sich nun wie ein schöner Traum an. Wohlig warm mit viel Euphorie.
Mein Dilemma fing erst an, als ich Ostritz verlassen wollte und in einem Zug saß. Hinter mir saßen Neonazis und allein wegen meiner Erscheinung mit buntem Umhang und einzelnen Dreads hatte ich Angst dort zu sitzen. Sie prahlten, waren stolz einen von der Antifa geschlagen zu haben und „zwei Festivals finanziert zu haben“. Nein! Ihr habt uns nicht finanziert, im Gegenteil. Ihr kostet uns eine Menge Geld. Mir tun die Polizisten leid, die den ganzen Tag in der Sonne stehen mussten. Zudem gab es ein Alkoholverbot, aber die Polizei musste die Neonazis zum nächsten Supermarkt begleiten, denn sie tranken natürlich trotzdem- eben nur nicht auf dem Festivalgelände und wir wissen alle, was Alkohol aus Menschen macht.
Was haben sie hinter mir noch so geredet?
„Lassen wir sie schlafen. Wer viel schläft, stirbt eher.“ Es war mitten in der Nacht und andere Passagiere schliefen im Zug.
„Ich will doch nur Hartz IV.“
„Ich hätte dem am Liebsten in den Hals gebissen.“

Ich glaube, dass meine Angst berechtigt war und am Ende war ich heilfroh, dass ich sicher in meinem Bett landete.
Und tatsächlich gehen mir die Worte aus. Ich fühle mich so hilflos, weil ich nichts bewirken kann und es dennoch gern möchte. Da ich dies nun miterlebte, tun mir die Menschen in ihrer Parallelwelt auch leid. Warum? Mitleid ist mir an sich unangenehm, aber in dem Falle breitet es sich in mir aus. Diese Menschen glauben an eine Ideologie, weil sie anscheinend nichts anderes haben, an was sie glauben können. Da steckt doch ganz viel Angst in ihnen, oder? Ich laß, dass die Menschen auf dem rechten Rockfestival untereinander misstrauisch waren, scheint nicht unnormal zu sein und da stellt sich in mir die Frage, wie unausgeschöpft sich das Leben ohne Liebe und Vertrauen anfühlen muss. Es kommt mir vor wie eine Flucht. Eine Flucht zurück in die Vergangenheit, vermeintlicher Sicherheit und Halt. Ich bin mir sicher, dass alle Menschen Sicherheit und Halt brauchen und danach suchen, das kenne ich von mir selbst. Aber die Vergangenheit, die Geschichte lehrt uns und da sich die Geschichte eh wiederholt, braucht man nicht in die Vergangenheit flüchten. Nichts wird mal so wie es war und am Ende sterben wir alle allein. Ich will sterben mit dem Wissen, dass ich geliebt habe, dass ich etwas Gutes tat und für andere Menschen da war. Ich will mein Potential teilen und weitergeben.
Was wollen die Neonazis? Krawall, zeigen wie machtvoll sie sind, Gewalt, Gerechtigkeit und am Ende auch nur ganz viel Liebe…

Mir fehlen die Worte. In meinem Kopf macht das immer mehr Sinn, als wenn ich dann versuche es niederzuschreiben.

Und weil denken nice ist, Kleidung auch, so muss ich einfach ermutigen, dass man das in die weite Welt hinaus trägt- am Besten mit einem duften Logo. Besucht Querverstand !

 

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