Ein großer Baum steht mitten zwischen anderen Bäumen irgendwo, zentral auf einer Karte gelegen um ihn zu finden, doch der Baum will nicht zu jeder Zeit gefunden und gesehen werden.

Jedoch- sein Anblick wird bewundert, viele- egal ob Groß oder Klein, kommen vorbei und ergötzen sich am Blätterkleid.

Schnipp, Schnapp, Knick, Knack, da war ein Ast mit Blüte und Frucht ab.

Das passiert dem Baum viel zu oft, aber egal wie sehr er versucht ein Zeichen zu setzen, es wird doch nicht erhört und im Rhythmus seiner Jahre geht es immer fort; Schnipp, Schnapp, Knick, Knack.

Der Baum verliert durch jede gestohlene und erzwungene Frucht an Mut und Willen. Ihm wird immer mehr genommen, was ihm lieb und heilig ist. Dann, so ist es ihm heute vergangen, zwang er sich selbst dazu immer mehr zu ernten, zu bieten, immer mehr Freude für andere zu erzielen und ließ dabei unterhaltend seine grünen, runden Blätter im Wind wiegen.

Dort, wo steht der Baum, gibt es Rehe, Insekten und Vögelein. Für die ist er gerne da und auch für die Tanne neben ihm.

Die Tanne ist zart, mag manch’ Besucher gar nicht glauben, doch sie steht genau neben dem Baum und sie wissen einander, sie kennen einander. Die Tanne ist jedoch gekennzeichnet durch ihr schönes Nadelkleid, von ihr wird nur Zapfen und Harz genommen. Rückt ihr jemand zu nah, lässt sie die Nadeln wehen, fliegen und piksen.

Der Baum mag die Tanne. Die Tanne mag den Baum und nebeneinander leben sie den Waldtraum, dort wo es schneit, windet und dort, wo auch für die Beiden die Sonne scheint.

Die Tanne schaut und ist Zeuge dessen, wie der Baum nach und nach an Schönheit verliert, von Außen projiziert.

Der Tanne wird beim Anblick dessen ganz kühl und schwer, will helfen aber kann nicht mehr- denkt sie.

Für den Baum ist die Tanne alles, was ihr in der meisten Zeit lieb ist. Durch das Stehlen und im Blitzlicht der Negativität stehen, schätzt sie die Tanne und jedes Vögelein, denn der Baum möchte nicht alleine sein.

Die Vögel und Insekten helfen ihr beim Überleben und der Baum hilft ihnen mit seiner chemischen Zauberkraft.

Immer, wenn der Baum allein sich fühlt, die Spannung steigt und die Krone glüht, dann weiß er nur eine Lösung dem zu entgehen; die Vernichtung. Und der Baum denkt sich; was tu ich hier, ich wäre so gern da. Es wird mir genommen, ich gebe so gern. Aber wo soll es hingehen, wenn meine Wurzeln nicht mehr wären? Für mich als Baum gibt es längst keine Freude mehr.

Abgeholzt, niedergetrampelt, ausgeraubt, verarbeitet und am Ende glüht nicht nur die Krone, sondern der ganze Stamm. Dann verfliegt die Asche im Wind, mitten einem Steinkreis und drum herum tanzt ein Kind.

Der Baum denkt und hört ganz plötzlich auf. Was, wenn er Schuld und die Verantwortung auf seinen Ästen zu tragen hat und die Last nicht leichter, sondern schwerer wird?

Die Tanne mit ihrer Schönheit und der größten Liebe hat mit großen Tropfen leider nicht genug Nadeln und der Baum denkt; ich muss das allein ertragen und wenn ich nicht mehr kann, dann gehe ich ein wie eine alleingelassene Orchidee, mit einem gutem Gedanken zwischen all tragenden Ästen; ich habe mein Bestes für Alle gegeben.

Irgendwann fing der Baum von selbst an. Schnipp, Schnapp, Knick, Knack. Ast für Ast.

Und als er vollkommen weg war, sich selbst zu Nichte gemacht hat, kamen neue Bäume, neue Rehe, neue Insekten und auch neue Vögelein.

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2 Kommentare

  1. In Star Trek hat mal ein Klingone gesagt: „Große Männer ,streben nicht nach Macht, sie wird Ihnen aufgedrängt.“ Auch dem Baum wird einiges zugemutet. Im Gegensatz zur Tanne fehlt es ihm an Verteidigung. Zum Schluss die Phönixgeschichte. Der Baum sieht in der Tanne, was ihm fehlt. Aber es fehlt ihm mehr etwas Geistiges: Die Überzeugung von der eigenen Kompetenz. Ich sehe viele kreative Möglichkeiten, zum Beispiel kann sich der Baum mit den Würmern verbünden, sodass die Menschen faules Obst finden. Das gute Obst kann dann ganz oben hängen…

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  2. Der Baum ist ein Baum – gibt man im Raum überwächst er alles. Nimmt man ihm Substanz, ist er nicht mehr dienlich. Hat der Baum zu zeitig aufgegeben? Vielleicht, weil er sich verglichen hat…

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