Vor mir liegt ein kaputtes Blatt in Scherben,

sanft zertrümmert und weich auseinandergeschoben.

Jedes einzelne Stück vom Blatt wurde aufgehoben,

doch den Grund kann man sich nicht erklären.

 

Vor mir liegt das Alte und das Neue getrennt,

dazwischen keine Gegenwart, kein Hier und Jetzt.

Jegliche Gefühle wurden in der Luft zerfetzt

und wurden mit einer Welle weggeschwemmt.

 

Vor mir liegt ein grüner Grashalm

und ich zerschneide ihn mit meinem Finger,

‚Tschüss, mein liebgewonnener Glücksbringer’.

Jetzt sitze ich allein im ängstlichen Qualm.

 

Vor mir liegen Nägel und Klingen,

ungern gesehen, ungern benutzt und vorhanden,

reduzierte Anspannung und das Verhalten

bindet sich um den Hals wie die Schlingen.

 

Vor mir liegt ein Funkeln und Glitzer,

autonomes Handeln verspricht ein Stück Vernunft,

so lache und grinse ich bei deiner Ankunft,

ihr seid für mich wie Glücksbesitzer.

 

Vor mir liegt ein kleines, blaues Kissen.

Es erzählt mir meine trüben Geschichten,

ich war verweint und es versuchte zu schlichten.

Doch möchte ich die Narben auch nicht missen.

 

Vor mir liegt ein Tunnel bis zum Ende,

wobei ich mir die Hörner aufsetze und

habe den Dreizack in der Rechten, vor dem Abgrund.

Ich habe den Tunnel gegraben, aber ohne Hände.

 

Vor mir liegt ein kleines,emnotionales Feuerzeug,

geöffnet wird eines nach dem anderen,

aber das ist kein Beweis von einem Mann,

dennoch,k ich habe mich vor jenem verbeugt.

 

Vor mir liegt ein kleines, buntes Päckchen,

hinaus gesprungen bei sachter Berührung

kommt eine Hand, kennt meine Verwundung

und fasst genau auf dieses schmerzende Fleckchen.

 

Vor mir liegt mein fleischiger Leib,

ich sehe ihm zu, wie er innehält, aushält

und sich danach schämt, sich die Haut schält.

Der Hass ist groß gegenüber dem Unterleib.

 

Vor mir liegt ein riesengroßes Schloss,

doch bin ich zu schwach und zu naiv,

zu viel Mitleid steckt in mir, weniger kreativ,

um Energie zu tanken. Ich bin kein Boss.

 

Vor mir liegt meine staubbedeckte Zukunft,

wie sie schwebt, sich regt und im Traum lebt.

Vor mir liegt ein Stück Schuld und Angst,

verschanzt, angeranzt und mit Schuhen totgetanzt.

Aber was liegt wirklich vor mir?

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4 Kommentare

  1. Ein bedrückender Text – ich kann nicht sagen, dass man ihn gerne liest. Wegschauen gilt nicht. Drei verschiedene Tageszeiten, dreimal gelesen. Die Situation erschließt sich. Mir ist an anderer Stelle aufgefallen, dass ich leicht über Schmerz sprechen aber viel weniger leicht ein inspirierendes Zukunftsbild von mir zeichnen kann. Ursächlich ist vielleicht Scham oder Angst vor der Anstrengung – weil es nicht leicht ist, der zu sein, der man sein könnte …Oder?

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  2. Es gibt die Urkräfte zum Überleben und zur Fortpflanzung. Es scheint noch die dunkle Kraft ‚gegen sich selbst‘ zu geben, in Folge eines Traumas. Die zeitweise stärker als die ersten beiden und im Gegensatz zu ihnen (selbst) zerstörerisch ist. Alle drei Kräfte bedienen sich der Gedanken als Werkzeug, um sich entfalten zu können. Gedanken sind nicht real. Atmen und die eigene Lage/Position im Raum (mit Erde als Bezug) sind real… Oh – wie wünschte ich mir von Dir eine Blog-Post, die beschreibt, wer Du sein könntest (einfach aber nicht leicht…)… der Bergsteiger braucht auch einen Berg als Ziel, um sich in Bewegung zu setzen… vielleicht traust Du Dich…

    Gefällt 1 Person

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