Eine kurze Geschichte. Tassengespräch.

Einmal gehe ich noch hinauf, aber wenn ich dann falle, dann stehe ich nicht mehr auf. Ich sehe die Scherben meiner Tasse vor den Füßen der Schande. Feine und zarte Splitter liegen auf der Treppenstufe, auf dem Weg in meine Hufe. Und ich bin doch die, die das Tässchen fallen lassen hat. Gebückter Rücken, ausgestreckte Hand zielt und fasst das Geländer an. Aus Holz wohl gedacht, doch federleicht bin ich längst nicht mehr, so wie das Geländer nicht aus Holz oder Stahl, viel eher ein Seil, welches hin und her eilt. In der einen Hand die Scherben, in der Anderen ein wackeliges Seil. Unter den Füßen wird es ganz warm und klebrig, über den Füßen wird es wie das Geländer wackelig. „Bitte Beine traget mich hinauf, sodass ich das Unglück beseitigen kann.“
Weder Stimme noch der Geist hat die Kraft eine Botschaft zu übermitteln. Die Knie, weich und stark. Die Knie müssen sich bewegen, aber die Anziehung von unten ist zu stark. Es rummst, das Hemd zerreißt und keine Scherbe bleibt an Ort und Stelle. Das Geländer ist handfrei und es fließt der Bach die Treppe hinunter. Im Ekel ertrunken, im Scham erstickt. In Angst versteckt, in Enttäuschung verrannt.
Daliegen und verträumt eine Wand angucken. Das Seil, es lacht. Die Scherben tanzen ihren Weg hinab, zusammen mit dem Rot, die Farbe vom Bach. Und die Treppenstufen beschweren sich, bekommen ein rotglühend wütendes Gesicht, denn ich soll die Hufe schwingen. Auf, auf und hinfort.

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