Als ich ein kleines Mädchen war

Als ich ein kleines Mädchen war, hieß es immer von meinen Eltern aus zu einem Bruder und mir; „geht mal rüber“. 

In mir strebte sich dann alles. Ich wollte selten mit gutem Gefühl „rüber gehen“. 

Wenn, dann wollte ich zu dir gehen. Ich habe dunkle Haare, dunklere Haut, als die anderen vier Kinder- ich fühlte mich als Außenseiter. 

Doch, wenn ich rüber ging und du auch da warst, wusste ich wieder woher ich komme und warum ich so so aussehe.

Die Nase, die Haut und der Humor.

Lieber weniger sagen, als zu viel. 

Lieber erstmal gucken, beobachten, bevor man handelt. 

Als ich ein kleines Mädchen war, fühlte ich mich nicht wohl in meinem familiären Umfeld. 

Es waren so viele laut und ich so leise. 

Jeder hat so ein Ding, eine Sache über die man sprach. 

Ich hasse Gedanken, aber diese sind bis heute tabu. 

Und du. Du hattest auch immer einen vollen Kopf. Ich sah es dir an, weil wenn wir denken, dann starren wir. 

Wenn wir denken, dass sind wir leise und nicht laut. 

Als ich ein kleines Mädchen war, wurde mir gesagt, welch’ schlechter und böser Mensch du in tiefer Vergangenheit warst. Entweder wollte ich es nicht wahrhaben oder ich verzieh dir. 

Mir war das wichtig, denn ich wusste und weiß bis heute, wie du nun bist und für mich bist du in vielerlei Hinsicht ein Vorbild. 

Denn du bist achtsam. 

Und jeder Schlag tat weh, aber jede Lüge tut dies auch. 

Psychische Gewalt tut länger weh, das macht es nicht wett, aber im Hier und Jetzt zumindest bist du nett. 

Als ich ein kleines Kind war, reistest du durch Ostafrika. 

Nachdem du wieder in dem Osten gelandet bist, zeigtest du uns Videoaufnahmen- klassisch auf Kassette- diese Frequenzen und diese Sehnsucht breitete sich in mir aus wie Tinte und Wasser in Berührung. Seither ist es mein Traum deinen Spuren dort zu folgen und dir dann zu berichten, was ich erlebt habe! 

Meine Reislust hast du immer verstanden und unterstützt, welch’ Dank und Zufriedenheit in mir, zu wissen, dass dieser Durst von dir stammt. 

Ich habe Erinnerungen von Dir in meinem Kopf. 

Wie wir zusammen im Auto durch Deutschland fuhren, wie wir auf zwei Brettern durch Schneestaub sausten, wie ich dir für einen Euro am Morgen die Zeitung vom Kiosk brachte und wie du heimlich Grimassen zogst, um die Stimmung aufzulockern.

Ich erinnere mich an dich und ich hoffe, dass du das auch tust.

Von Tag zu Tag lerne ich mehr über das Leben und heute, als ich als großes Kind erfuhr, dass Krankheit dich heimsuchte, merkte ich, dass all Wissen über das Leben nichts über den Tod sagt. 

Warum lernen wir nie, wie wir mit Verlusten umgehen sollen? Wer nimmt uns an die Hand und zeigt uns wie es danach weitergehen kann? 

Da ist jemand, egal ob Mensch oder Tier und dann? Dann ist er oder sie einfach nicht mehr da?
Wie jetzt? Kein gemeinsamer Austausch mehr? Kein Lachen, nur noch ein Tränenmeer? 

Und dann? Wohin mit Gefühlen und zerstörenden Gedanken?

Und wenn du das alles nicht so wahrgenommen hast, dann habe ich mir meine Illusion geschaffen, die mir Halt gibt- wenigstens ein Danke dafür an dich. 

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