Vertrauen

Ich bemerkte, dass ich Menschen nicht vertraue, obwohl ich gerne so tue oder es gerne könnte.

Vertrauen stellt für mich ein Bindeglied von Beziehungen jeglicher Art dar. Egal, ob Arbeitskollegen, Schulkameraden, Familienmitglieder oder der bester Freund. Durch ausgewogene Kommunikation, Geduld und Nähe baut sich Vertrauen auf und durch Verletzungen und Enttäuschungen verschwindet das Vertrauen wieder.

Ich stelle mir das in meinem Kopf vor, wie ein Steinstapel. Man arbeitet, baut die Steine aufeinander bis ein schöner Turm am Strand im Sand entsteht. Dann kommt eine unerwartete Welle und es rauschen die Steine nur so dahin.

Wie wird der Stapel wieder zum Prachtstück?
Indem man wieder Steine sammelt und sie übereinanderlegt.

Aber in der Realität kommen die Gefühle mit ins Spiel. Ich habe viel Angst in mir, was sich oftmals widerspricht und auch gegenseitig ausklingt: Bindungs- und Verlustängste. Im Endeffekt ist genau diese Angst vor Nähe meine Hemmung vor Vertrauen. Wann setze ich mich endlich in den Sand und baue meinen eigenen Steinturm? Es klingt so einfach. Nähe zulassen und Vertrauen ist wieder da!? Wir wissen wahrscheinlich alle, dass das nicht so einfach funktioniert. Aber ich glaube, man muss daran glauben und daran arbeiten. Vor allem aber muss man wohl erstmal sich selbst wahrnehmen, reflektieren und die Gefühle ausdrücken, damit eine gute Kommunikation erst einmal stattfinden kann. Wen ich nicht weiß, wie mein Gegenüber fühlt, dann kann ich nur begrenzt auf ihn oder sie eingehen. Fehlt also ein Stein, hält der Stapel keine Balance. Ich weiß nicht, ob meine Metapher in jedem Punkt stimmt, aber, aber, aber…

Nehmen wir die Geduld nun mit hinzu. In den letzten wenigen Monaten habe ich gut gelernt, wie das mit der Selbstwahrnehmung funktioniert und kann es erfolgreich umsetzen. Nun werde ich versuchen meine Gefühle mit dem begleiteten Bedürfnis auszudrücken.

Wenn wir uns vorstellen, dass jeder in seiner eigenen Bubble lebt, dann kann niemand sagen: du fühlst falsch. Bisher habe ich mich von Meinungen anderer leiten lassen. Mir wurde gesagt, was gut für mich ist und wie ich mich fühle. Aber das kann nur ich in meiner Bubble sagen und dass gilt für jeden Einzelnen. Genauso wenig kann ich sagen, wie du dich beim Lesen fühlst und das ist gut so. Du bist Herr deiner Gefühle und deiner Wahrnehmung. Deine Bedürfnisse achte ich und du achtest meine Bedürfnisse.

Irgendwie so.

Allein, wenn ich das schreibe, zweifle ich an meinen Worten, obwohl es einfach nur meine Gedanken sind. Ich habe genau in diesem Moment Angst jemanden auf den Schlips zu treten und zu verletzen.

Ich vertraue nicht einmal meinen eigenen Gedanken und Gefühlen. Wenn für Vertrauen ein wenig Nähe nötig ist, dann sollte ich mir selbst vielleicht näherkommen und mich kennenlernen.

Als Art Selbstschutz habe ich mir irgendwann im Kindesalter angewöhnt meine Bedürfnisse für mich zu behalten und Gefühle zu schlucken. Wenn ich heute mit jemanden über Essstörungen oder sexuellen Missbrauch rede, lache ich. Ich nehme mich selbst damit nicht ernst und wundere mich, warum mich andere nicht ernst nehmen. Manchmal ist es auch wirklich gut, wenn man über sich selbst lachen kann und Dinge nicht zu ernst nimmt. Aber diesen Mittelweg finde ich ab und an nicht. Ich lache und lache und lache und dann finde ich mich selbst unter der Welle.

Wenn ich weggespült werde, weiß ich nicht wohin mit mir. Dann ist es leer und mein Kopf berauscht. Manchmal wünschte ich mir dann jemanden, der mich wieder einfängt, festhält und mir sagt, dass alles wieder gut wird. Und ich weiß, dass es diese Menschen in meinem Freundeskreis gibt. Doch meine Gedanken und Gefühle kann man schließlich nicht riechen oder erträumen. Dafür muss ich schon den Mund aufmachen und mich ausdrücken. Das ist nicht so einfach, aber ich will es können. Das ist auch umgedreht der Fall. Ich möchte helfen können.

Um uns herum passiert genug Mist, da müssen wir uns nicht auch noch gegenseitig die Hölle heiß machen, schätze ich.

Eines Tages.

Eines Tages werde ich vertrauen können. Und wenn alles nichts bringt, vertraue und liebe ich dennoch dem ein oder anderen Hund. Hund können nämlich auch mit Steinen spielen und im Sand sitzen.

 

Ich habe euch lieb.

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