#10 PTBS

Es tut so sehr weh. Gestern Nacht, kurz vor 12, klingelte es bei mir und ich erschrak. Ich hatte solche Angst, sodass ich das Licht ausschaltete, meinen Laptop zuklappte und die Augen schloss. Doch ich schlief nicht. Ich ließ Revue passieren, was geschah und wovor ich denn eigentlich Angst hatte.Ich hatte Angst, dass es mir nochmal passiert. Dass jemand hineinkommt und mir alles nimmt, was ich mir über die Jahre aufgebaut hatte. Ich sage oft, dass ich dadurch nur noch stärker geworden bin, das stimmt, aber ich bin auch sensibler und emotionaler geworden. Besonders jetzt, weil ich gerade in einer Phase bin, in der ich verarbeite, was so passierte. Und ich kann nicht leugnen, dass ich einen großen, fetten Haufen Schmerz in mir habe, der sich ausbreitet und in Tränenform oder Passivität herauskommt. Ich tue immer ganz taff, schreibe darüber, rede darüber als wäre es mir nicht passiert. Doch Tatsache ist, dass ich Angst habe und ich manchmal gern in ein behütetes, warmes Nest schlüpfen möchte und neben mir eine sanfte Person, die mir sagt, dass alles wieder gut wird. Ich will mir nicht anhören müssen, dass ich selbst daran Schuld bin, dass ich die PTBS ‚habe‘. Ich trage keine Schuld, niemand tut das, denn Schuld gibt es nicht. Ja, manchmal verspüre ich den Drang mich mal richtig auszuheulen ohne in Selbstmitleid zu ersticken, sondern damit es mir danach bessergeht. So oft habe ich mir schon gesagt, dass es nicht mehr weitergeht, dass jetzt das Ende vor mir steht. Und so odt habe ich weitergemacht. Aber dafür hatte ich eben auch immer Hilfe. Dafür bin ich unfassbar dankbar.Ich fühle mich zu schwach, um mir mein Nest selbst zu bauen. Und bei jedem Schritt außerhalb meiner vier Wände habe ich das Gefühl, dass ich einen Stempel auf der Stirn habe. Es tut weh und ich würde gern einmal einen Tag nicht in meiner Haut stecken, sondern einfach als Geist so ganz unbeschwert umherfliegen und die Dinge von oben objektiv betrachten.

2 Antworten auf „#10 PTBS

  1. Es tut mir echt Leid so was zu lesen. PTBS ist ein Arschloch, ähnlich wie Depression, Einsamkeit und all der andere Kram, der immer die Menschen trifft, die es am wenigsten verdienen!
    Ich kann dich da mehr als verstehen, wenn man sich nicht wohl fühlt wenn man draussen ist aber es ist drinnen nicht mal ansatzweise besser wird. Wenn man heulen will aber einfach nicht mehr kann, weil man die letzten Wochen eh jeden Abend geheult hat.
    Ich finde es immer wieder krass, dass man den Menschen begegnet und Nichts davon sieht, dass es ihnen einfach nicht gut geht und finde umso krasser, dass diese Menschen einfach ihren Alltag leisten, ohne jedes Mal über alles rumzuheulen und trotzdem noch für andere da sind.
    Spreche da (leider) aus zuviel Erfahrung.
    Auch wenn wir uns nicht kennen, kannst du immer gern schreiben, wenn du jemanden zum reden brauchst. Ich versuche dann gern mitzufühlen und zu verstehen und zur Not einfach da zu sein :/
    Ich zitiere einen tollen Menschen an dieser Stelle „Keep ur head up!“

    Oder eventuell auch ganz passend „When the wind’s against you remember this insight it’s the optimal condition for birds to take flight“

    -dave

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    1. Ich muss leider noch mal was ergänzen, sorry wenn die Benachrichtungen (Wenn es welche gibt) stressen.
      Ich hab mich nur, als Ich nochmal in aller Ruhe über deine Situation nachgedacht habe, an mich selbst erinnert. Ich weiß noch wie Ich früher in meinem Zimmer sass, dass von Mist und dummen Zeug nur so strotzte, und lauthals geflucht habe, immer wieder gegen meinen Türrahmen geschlagen habe bis meine Knöchel so taub waren, dass Ich keinen Schmerz mehr gespürt habe. Solange geheult hab, bis Ich eingeschlafen bin. Teilweise finde Ich mich heute noch so wieder, heulend in meinem Sessel, während Tränen auf das Buch tropfen, dass Ich gerade lese. ICh habe heute erst laut geflucht, weil noch nicht ganz sicher ist, ob Ich meine Miete nächsten Monat zahlen kann, bzw. wenn Ich sie gezahlt habe, was Ich dann esse, bis mein Lohn kommt. Ich weiß genau wie es ist, sich alleine zu fühlen und wie es ist sich wertlos und unnötig zu fühlen, kommt leider heute noch oft genug vor und macht keinen wirklichen Spass.
      Ich hab mir im September, ein Tattoo als mein Geschenk an mich geschenkt (Mache Ich jedes Jahr, ist auch oft das einzige Geschenk, an was Ich mich wirklich erinnere, dass und die Karten meines Vaters und eventuell meiner Mutter, Ich feiere nicht und vergesse meinen Geburtstag auch jedes Jahr, einfach weil Ich ihn nicht mag). Es ist Morseschrift und es bedeutet einfach nur „It’s okay“.
      Es erinnert mich an die Zeit, wo Ich fast dumme Dinge getan hätte, also sehr dumme DInge.
      Da fällt mir dann immer der Satz ein, der mich in den letzten Jahren oft aufgemuntert hat.
      „You’re Not Alone!“
      Ja das mag mag total Casual sein aber Niemand ist allein, auch wenn man das in schlimmen Zeiten denkt, in denen man in der Dunkelheit sitzt und eine Zigarette nach der anderen ansteck, bis man irgendwann erschöpft einschläft und Morgens nicht aufstehen will, weil man Angst hat, dass Alles wieder ist wie am Tag davor. Wir sind niemals allein und wir werden es auch niemals sein!
      Das mag nichts helfen aber es ist eventuell besser als zu sagen, „Jedem geht es mal schlecht!“

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