#11 PTBS

Ich weiß nicht woher es kommt, aber eigentlich war ich im Sommer bzw. Herbst frei von Flashbacks. Klar, ich hatte es immer im Hinterkopf, aber es stellte mich nicht vor weiteren Problemen. Seit einigen Wochen jedoch bemerke ich, wie ich nicht die Augen schließen kann, ohne Bilder im Kopf zu haben. Die Pillen, die ich nehme, zwingen mich zum Einschlafen, aber es ist für mich keine langfristige Lösung, nicht nüchtern einschlafen zu können. 
Kurzer Hand beschloss ich mich mehr mit den Geschehnissen auseinanderzusetzen. Ich recherchierte Chatverläufe und Tagebucheinträge durch und fand tatsächlich eines der Daten. Es war der 21.08.2016. Eigentlich kann ich mir Daten gut merken, ich weiß Geburtstage und Telefonnummern, aber diesen Tag habe ich vergessen, was Teil der Posttraumatischen Belastungsstörung ist- Dinge vergessen, Details verdrängen und Trigger vermeiden. 
Bei meiner kleinen Recherche kam wieder dieser Druck in mir und ich habe des öfteren das Bedürfnis alles einmal rauszulassen und zu schreien, zu heulen. Aber die Welt kann ja nichts dafür. 

Was mich faszinierte, damals sowie heute, ist, dass er mich haargenau beschreiben konnte. Seine Gedichte über mich sind so detailliert und künstlerisch verpackt, dass ich mein Spiegelbild vor Augen habe. Das ist erschreckend und schön zugleich, wie eigentlich alles diesbezüglich. 

„talking of the bridge,

We had another walk

Few months ago, can’t forget that talk,

You seemed as a which

While i was intending to touch you in all ages,

Your tiny cute baby, your old mature you

Who was buried deep in your eyes,

And the (…) Anne who i can’t hold my kiss infront of her magic, 

Could it be that tragic?

How do these things happen?

We were walking , you carried half of my heavy pain,

You told me you wrote poems out of my name..

How could you feel this perfect?

Your smell, your dreads, even how you ignore..

Once you closed in my face each and every door..

You know it, that drags me towards you even more..

Alot needs to be written

Alot needs to be spoken..

Let me hold your hands,so we fix what we’ve broken..

In each other to keep flying..

Hand in hand to keep walking“

-K.

Ich möchte in keine Opferrolle fallen, denn das bin ich nicht. Und ich bin auch Keine, die man deswegen auf Händen tragen muss. Aber ein wenig Respekt und Empathie ist ja nicht zu viel verlangt, oder?
Seither nehme ich mich zurück, gehe keine Schritte zu weit und breche ab, wenn es mir zu viel wird. Ich versuche schlichtweg darauf zu achten, was mir guttut und handle danach. Aber das ist nicht einfach, weil ich nicht egoistisch sein möchte, doch so kommt es mir oft vor. Ich habe keinen Bock Menschen zu verletzen, nur weil ich meine Flashbacks nicht unter Kontrolle habe und dann kommt in mir die Frage, ob ich überhaupt Kontrolle darüber haben kann? Damals hatte ich keine, aber ein ‚Damals‘ kann man nicht mit dem ‚Heute‘ gleichsetzen, auch wenn es gleiche Gefühle und Gedanken sind: die Situationen und wahrscheinlich auch Personen sind unterschiedlich. 
Ich komme vom Thema ab. 
Also, was tue ich, wenn ich Flashbacks habe? Meistens ziehe ich mich zurück oder ich versuche mich abzulenken, gehe tanzen, ins Kino, Kaffee trinken oder am Fluss spazieren. Aber das macht es nicht wett. 

Und ganz ehrlich, ich kann auch manchmal darüber lachen, das tut mir auch ab und an gut– vor allem, wenn ich mich sicher fühle. Dann lache ich darüber, freue mich, dass ich trotzdem mein Leben führen kann und trage die Hoffnung, dass die Zahlen der sexuellen Missbräuche sinken. Und ja, das hoffe ich wirklich. Und ich bin optimistisch, denn Pessimismus ist kein guter Begleiter, sondern lässt alles Kommende scheitern. 

Ich lache, lache, lache und lachen lachen lachen lachen und ich lache, erwache und bemerke, merke merke merke mir alle Zahlen und Daten und lache weiter weiter weiter und weiter heiter lachen und bemerken, danach das böse Erwachen. 
Nichts ist wie es mal war und wie es war, weiß ich nicht, aber du genauso wenig wie ich. 
Nichts von dem ist wahr, sage ich und meine innerlich, dass ich nicht lache sondern weine, in deinen Armen am Liebsten, aber zwischen uns ist ein leises Lachen und dann das Erwachen, dass nichts wahr ist und ich selbst nicht weiß, was war und wenn ich es wüsste, dann hätte ich Gelüste zu weinen und mein Lachen würde nicht mehr erscheinen, sondern dunkel neben dem Gemunkel sitzen, hocken und verbrennen. 
Ich habe einen Stab in meiner Hand und baue mir ein Schloss, indem ich lachen und weinen gleichzeitig kann. 

-als ich in der Bahn saß

Es geht nicht darum  Mitleid zu kassieren. Mitleid ist da nicht angebracht. Warum? Weil man nichts für die Situation kann und Mitgefühl mehr Unterstützung leistet. Ich kann mir gut vorstellen, wie es für Außenstehende sein muss und dann bekomme ich ein schlechtes Gewissen, aber nicht darüber zu reden ist für mich auch keine Lösung. Kommunikation ist wichtig, um solche Tabus zu lösen und ein Bewusstsein zu schaffen, damit die Zahlen sinken. Da geht es nicht nur um Missbrauch, sondern auch um psychische Krankheiten, Süchte, Intimität bis hin zur Politik. Denn mir kommt es zunehmend so vor, als würden alle Wege bei der Politik enden bzw. dorthin führen oder fangen sie dort an? Wir leben nunmal nicht mehr im 20. Jahrhundert und ich habe das Gefühl, dass das manche Menschen ein wenig vergessen oder schlichtweg nicht wahrhaben wollen.

Wir verändern uns mit der Zeit.
Allein, wenn ich in mein Heimatdorf blicke, sehe ich schwarz. Diese Region hat so viel zu bieten und ich finde sie außerordentlich wunderprächtig, aber irgendwie scheinen mir die Menschen dort ein wenig ängstlich zu sein. Angst vor Veränderung? Angst vor ‚dem Bösen‘? Es darf nicht über Negatives oder Nachdenkliches geredet werden, es wird geschwiegen und das macht mich wahnsinnig. Dumpf durch die Welt zu schlendern und gleichzeitig wird von ihnen ganz viel gefordert. Vielleicht sehe ich das auch zu subjektiv und bin zu voreingenommen- dann belehrt mich eines besseren.

Zurück zur PTBS.

Letztens im Club hat mich eine betrunkene Frau einfach geküsst und es war okay. Ich war sichtlich überrascht, aber ich konnte damit umgehen und es war kein Problem für mich. Und ohne sexistisch zu sein: ich glaube bei einem Mann wäre das ganz anders, besonders wenn er mir fremd ist. Mein Handeln und Wandeln lassen auf kein Trauma vermuten, aber meine Bilder im Kopf lassen es mich tagtäglich spüren. Meine Therapeutin fragt mich dann, welche Gedanken ich besitze, aber tatsächlich sehe ich einfach nur Bilder und spüre ein Gefühl. Direkte Gedanken habe ich in den Momenten nicht. Vielleicht kommen Fragen in meinem Kopf, wie so oft, z.B. warum es mich traf? Was hätte ich anders machen können? Hätten andere Verhaltensweisen meinerseits etwas verhindern können? Hätte ich eine Anzeige machen sollen? Was passiert, wenn er* wirklich in meine Heimatstadt zieht und ich ihn heute auf der Straße sehe?

Wie auch immer, ich habe den Faden verloren und muss los. 

Eine Antwort auf „#11 PTBS

  1. Ich kann Heute leider keinen sehr ausführlichen Kommentar schreiben. Ich bin zwar sehr gut in Inhaltslosem Gebrabbel aber das ist hier nicht angebracht!
    Also Ich erzähle jetzt einfach mal, Narzisst wie Ich bin, eine persönliche Erfahrung.
    Jedes Mal wenn Ich Leute aus meiner Vergangenheit sehe, die mir schlimme Dinge getan haben, verspüre Ich Wut und Hass. Teilweise auf mich selbst, diese wirken dann wie Drogen und Ich denke, dass es gut tur wenn Ich das empfinde. Man kann das jedoch nicht verhindern. Daher hab Ich zum Beispiel herausgefunden, wo meine Freundin ungefähr wohnt (Hab nicht gestalked oder so, stand in ihrer Bio als Ich sie final blockiert hatte)
    Begegnet sie mir auf der Strasse muss Ich mich zusammenreißen nicht einfach lauthals beleidigend zu werden. Eine gewisse Paranoia bringt das zwar mit sich aber irgendwie gewöhnt man sich irgendwann daran.

    Thema Kommunikation.
    Ich glaube mit Problemen wie diesen ist nichts wichtiger, als darüber reden zu können. Ich weiss noch wir Ich damals um 3 Uhr Morgens in meinem Bett saß und mit meiner besten Freundin, stundenlang, ellenlange Memos ausgetauscht habe. Wir sind beide kaputt und es half.
    Das alles in der Politik anfängt ist leider ein Phänomen, dass nicht zu ändern ist. Ich finde es gut, dass es einen gebündelten Punkt gibt, der über Probleme wacht, finde es aber nicht gut, wie man mit den wichtigen umgeht. Cannabis in Deutschland? Niemals!
    Kostenloser Nahverkehr? Sinnlos!
    Es geht nur um Flughäfen, Polizeigesetze und sonstiges Zeug.
    Respekt bekommt man als psychisch labiler Mensch kaum, die dummen Kommentare kennen wir ja alle und Depression als Krankheit, naja beim Studium zählt sie leider nirgends als eine, auch nicht in Psychologie, zumindest nicht bei allen da.
    Da Ich in Inhaltslose abdrifte und das nur nervt.
    Ein letzter Kommentar, das Gedicht übers lachen, ist wunderschön! 🙂

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