Klinikgedanken: schöne Welt

Und es tut weh, auch wenn ich es nicht wahrhaben möchte.
Die Erinnerungen schleichen sich am Abend nach einem leeren Tag in meinen Kopf, zermürben die letzten Nerven und gehen erst wieder, wenn die Sonne den Tag erhellt und mein Kopf stumpf durch eine kleine blaue Pille wie ein Ball auf dem Boden prellt. Dann ist alles wieder gut, bis die Stunden vergehen und meine Türen die Erinnerungen hineinlassen. Gleichgültig wandere, nein, schleife ich die Beine über Dreck und Asphalt. Ich stehe im Raum und stehe einfach, doch es fühlt sich wie schweben an.
Ich will keine Maske mehr, aber vielleicht gehört sie dazu und kann nicht mehr durch ein bloßes Gedicht abgenommen werden. Denn ich strahle oft am Tag, doch danach lege ich mich ausgelaugt in mein Bett, frage mich, was ich wieder angestellt habe und sehne mich zurück oder vor, an einen Moment, in dem ich mich sicher, gehalten und angekommen fühlte.
Doch manchmal bleibt die Suche in einer Fantasie stecken, denn ich finde in meiner Realität keinen solchen Moment, den ich jetzt erneut aufblühen lassen könnte. Die Zeit vergeht und ich bleibe im Raum stehen, schweben, abheben und niemals ankommen. So tickt mein Kopf und ich weiß, dass es rational und weise betrachtet nicht immer stimmt, was meine Fantasie sich vorspielt. Es ist belastend, es tut weh, die ganze Zeit zu denken, man wäre falsch und nicht gut genug. Niemanden könnte man vertrauen, weil Misstrauen schützt und ich Angst vor noch mehr Verlusten habe. Doch klammern kann ich auch nicht, denn zu starke Nähe kann auch verletzen. Also bleibe ich im Raum stehen, schweben und lasse mich selbst fallen, sodass es noch mehr wehtut.
Mit dem Gefühl alle seien gegen mich und niemand könnte wahrlich verstehen, wie ich mich fühle, kommt die Einsamkeit wie eine Treppe unter meine Füße geflogen. Ob ich die Treppe hochlaufe, herunterpurzle oder stehenbleibe, entscheidet sich jeden Tag neu.
Es fühlt sich so an, wenn man lange mit geschlossenen Augen den Kopf Richtung Sonne neigt und verweilt.
Die Wärme füllt den Körper, wie heißer Kaffee auf nüchternen Magen.
Die Gedanken kreisen, wie zwei Fische in einem Aquarium.
Eingeengt in der Jacke, als würde man in einer Kirche die Treppen zur Kuppel hochlaufen, die Wände werden dichter, die Stufen kleiner und man glaubt, dass es nie enden wird.
Eine schwarze Wand vor einem, gleicht meinem Gang durch Menschenmassen und den städtischen Gassen.
Irgendwann macht man die Augen auf und sieht die Welt verschleiert. Benebelt. Trüb. Anders. Absurd. Unnormal.
So sehe ich die Welt, so werde ich von der Welt gesehen.
Du wunderschöne, große, vielfältige und legendäre Welt.

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