Slamtext: Derealisation

Ich verlasse mich selbst im Strudel einer ewigen Spirale, in der ich mich immer wieder frage, wie ich hier hergekommen bin. Denn die Realität ist mir entkommen und benebelt sitze ich nun auf einem Stuhl und nehme benommen eine Stimme wahr, doch meine innerliche Stimme ist zu rar. Da wundere ich mich noch, warum ich widersprüchlich bin. Aber die Welt ergibt nunmal keinen Sinn. Da drehen sich Planeten, wir denken trotzdem der Mittelpunkt der Erde zu sein und schießen mit Raketen, wobei wir am Umweltschmutz ertrinken. Lasse mal die negativen Nachrichten stinken und lieber Debatten über eigenen Ruhm führen und die Menschen mit dem meisten Abonnenten zum Hecht küren, während die Meere mit Pflanzen und Tieren auch unseren Dreck spüren. Aber sieht man ja nicht, nur die vier Wände stehen in der Sicht. 

Zuneigung und Berührungen können heilend wirken und wenn bei jeder Regung ‚metoo‘ geschrieben wird, fühlen sich eigentlich Betroffene nicht ernstgenommen. Dann sitzen sie benommen, wie ich, auf einem Stuhl und haben es geschafft, sie haben die Welt als sinnlos wahrgenommen. 

Und an die Eltern, die ihre Kinder in die Flut zerren, zu sich zurückkehren und darauf warten, dass das Kind Trost spendet, wenn ihr es als Ding verwendet. Kinder retten keine Ehen. Kinde brauchen Zuneigung, Lernen wer sie sind und keine betrunkenen Eltern, die ihr Leid auf das unschuldige Kleine schieben. Ihr seid auch keine Götter, wenn ihr dem Kind alles gibt, denn Materielles ersetzt keine emotionale Nähe, wenn es sie in euren Köpfen überhaupt gibt. Gut, dann macht euch blau, bleibt im kleinen Horizont weniger schlau und malt die vier Wände grau. Aber bitte, bitte lasst eure Kinder nicht im Stich, nur weil ihr es selbst nicht anders erlebt habt. Denn, nur so unter uns, Erkrankungen sind nicht nur vererb- sondern auch erziehbar und in unserer postmodernen Dramatik ist ein Mensch ohne Macke undenkbar, aber machbar. Lernt aus den Fehlern und begebt euch nicht auch in die Spirale, in der ich tagtäglich für Wiederholung und Widerspruch bezahle, denn davon gibt es genug. 

Ich sehe der Angst vor Nähe und Verlassenwerden zu und im Nu bin ich in der 60ern, da kann man sich noch wundern und ich kann es nur zu gut verstehen, wenn Menschen weit entfernt vor Bindung stehen. Warum auch ein Risiko eingehen, wenn man am Ende allein auf einem Stuhl sitzt. Aber Ängste werden nicht kuriert, wenn man sich isoliert und sich derealisiert verliert. 

Ich bin zu müde, um meiner Welt einen Sinn zu geben, auf der Suche nach meiner Identität zu gehen, um nie zu Finden. Was habe ich mir alles vorgenommen, Menschen verstehen, helfen, erklären und ihnen alles geben, um mich am Ende als Egoist zu ergeben. Ich würde alles machen, was jemand von mir will, dann halte ich mich vor Anspannung still und lande wieder auf einem Stuhl mit einer Stimme mir gegenüber, um dann klüger aufzustehen und allein und zu schnell durch die Gassen und Straßen zu ziehen. Ich weiß, dass diese Paradoxien sich hier und um uns nicht verziehen und ich kann keine Wunder bewirken, weder meine Spiralen leugnen, die sich negativ auf meine Mitmenschen auswirken, obwohl ich niemanden schaden möchte, bin ich am Versagen. Auch das Verständnis und Wissen über Strukturen und Systeme löst keine Probleme. 

Du hast ein Problem und drehst dich in deiner Spirale? Dann male deinen alten Weg neben einen Neuen. Dann werde dir bewusst, wo du gerade gehst, wo du stehst und in welche Richtung dein innerer Wind weht. Dann werde aktiv, nimm dich dir und deiner Mitwelt an, bleibe in Bewegung, auch wenn die großen harten Steine auf deinem neuen Weg liegen. Denn auch du kannst siegen. Nein, die Welt ist nicht gerecht, nicht sinnvoll und mehr paradox, als klar und unmittelbar. Aber die kleinen Abenteuer hier und da sind deine vergönnten und prächtigen Wunder, für die es sich lohnt ab und an auf einem Stuhl zu warten, die wahre Stimme zu ertragen und danach den nächsten Schritt zu wagen. Ja, ich bin erst 21 Jahre alt und rede hier vom Leben und der innerlichen Welt. Aber Zeit ist relativ und ich habe erzählbare Erfahrungen, das ist weniger kreativ, aber vielleicht geht es tief. Dann werde ich wieder auf dem Stuhl sitzen, meine Gedanken in die Luft kritzeln und innerlich grinsen, weil ich weiß, dass ich damit das Denken anrege, an Vorurteilen säge und ein ‚ich meine es aus tiefstem Herzen gut‘ in mir hege.
Wenn ich ein Flugzeug sehe, habe ich Fernweh und wenn ich darin sitze, ein schlechtes Gewissen, weil ich die Welt verpeste.
Wenn ich aufwache, würde ich am Liebsten liegen bleiben, alle Pflichten meiden und erwische mich, wie ich den Tag plane und Listen abhake. 

Wenn ich einen Menschen mag, es nicht sag’, aber in meinem Kopf weiß die Person alle meine Gefühle, obwohl ich mich nicht vom Fleck rühre.

Wenn ich denke nichts zu fühlen, in der Gegend herumstarre und meine Privatsphäre wahre, würden am Liebsten Emotionen glühen.

Und wenn ich das eine mache, etwas anderes sage und mir verschiedene Gefühle bewahre, dann ist genau das meine Spirale und mein Vergleich zur Welt. 

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