Rechtfertigung.

Letztens schrieb ich über die Selbstabwertung und ich muss sagen, dass es sich wirklich lohnen kann daran zu arbeiten! Ich habe euch wissen lassen, dass man sich nach jeder Selbstabwertung etwas Gutes tun soll. Das soll die eigene Selbstachtung nicht verletzen, damit man sich eben nicht wie ein Häuflein Elend, wie ein Nichtsnutz oder Taugenichts fühlt.
Dabei geht es auch darum, dass man zu sich selbst stehen darf/kann/muss/soll.
Und darin bin ich nicht gut. Aber das ist ok.
Ich verfalle dem Strudel der Rechtfertigungen, mein gesamter Körper ist voller Scham und Hemmung. Selbst wenn ich auf Toilette gehen muss, schäme ich mich. Wenn ich müde bin, schäme ich mich. Wenn ich etwas esse, schäme ich mich. Wenn ich meinen Lebensweg ändere, suche ich nach Rechtfertigungen, um alle Menschen zu befriedigen. Ich schäme mich für das Atmen, für mein Lachen, manchmal sogar für meine Texte auf der Bühne. Ich schäme mich für mein gesamtes Außenbild, mein Verhalten, mein Denken, Vergangenheit und Zukunftspläne. Vorteil ist, dass ich gelernt habe, wie man Gründe und Argumente findet, die man vorher nicht gesehen hat. Man hinterfragt, jedoch vergisst man dabei schnell hinter sich selbst zu stehen und dieser Strudel beginnt zu kreisen und mich in einen Bann zu ziehen.
Rational gesehen, weiß ich, dass ich mich für mich nicht schämen brauche. Ich bin ein Mensch, wie jeder andere, der Bedürfnisse hat. Das ist so simpel.
Zudem bin ich auch keine, die andere verurteilt und Macken mehr lieben lernt, als sie mit erhobenen Zeigefinger zu bestrafen. Somit schlussfolgere ich, dass es ganz viele Menschen auf der Welt gibt, die ähnlich ticken und vor denen brauche ich keine Hemmungen haben.
Die eine negative Situation und Erfahrung in der Vergangenheit darf nicht auf eine heutige bezogen werden, nur weil das Gefühl sich gleicht. Meist besteht ein neuer Ort, eine andere Person ist involviert, etc. Damals ist nicht heute. Heute ist nicht damals. Ich darf essen, was ich will, wo ich will und auch mit meinen Fingern. Ich darf ausgiebig und tief ein- und ausatmen. Ich darf Triebe, Lust und Spaß im Leben haben. Ich habe es schlechtweg satt mir sagen zu lassen, was okay ist, was wieder sch*** an mir und meinem Verhalten war.

Momentan lerne ich von Tag zu Tag, dass ich sein darf. Ich warf Klingen weg, versuchte so ehrlich und aufrichtig wie nur möglich zu sein. Ich fand eine Balance zwischen produktiv sein und gammeln. Ich gönnte mir Ruhe, ein Sozialleben, Eistee und Wissen.

Nein, die Selbstabwertung wird nicht einfach verschwinden und ich werde nicht mit erhobenen Kinn durch die Stadt steuern. Ich glaube mittlerweile auch, dass so manche Züge und erwähnten Muster, ein Stück weit mein Charakter ist, solange es mich nicht belastet.

Tiny steps.

Ich hatte nie viel Selbstbewusstsein, dachte immer ich wäre falsch, nichtig und wertlos. Nicht nur die Zeit ändert sich, auch die Menschen- so do I.
Ich bin bereit und egal wie viele Suizidgedanken, dysfunktionales Verhalten, etc. mich heimsuchen werden, Tag für Tag werde ich drauf und dran sein, dagegen zu walten.
Das Steh- Auf- Männchen ist wieder am Leben.

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