Kannst du mal? Mach mal!

Ich habe mich gefragt, woher die Erwartungen kommen, die uns tagtäglich im Kopf herumschwirren. Ich glaube fest daran, dass die Erwartung ein gesellschaftliches Konstrukt ist, welches in unsere Affenhirne eingepflanzt wurde, damit wir nach kapitalistischen Vorstellungen funktionieren, Macht ernten, Babys machen und irgendwann völlig ausgelaugt, aber immerhin wirtschaftlich produktiv, sterben. 

Und wenn ich hier von Erwartungen schreibe, bin ich mir bewusst, dass es unterschiedliche Arten davon gibt. Im Sinn habe ich nicht jene, dass ein Arzt mir hilft, die Straßenbahn in die angegebene Richtung fährt oder die Erwartung, dass mein Körper und Geist heute Nacht schlafen möchte. Denn das sind mehr Selbstverständlichkeiten. Was, wenn wir diese Selbstverständlichkeit in einen sozialen Kontext bringen, denn Erwartungen beziehen sich oft auf einen anderen Menschen, eine Gruppe oder Beziehung. Als Kind haben wir die Erwartung von den Eltern, Großeltern und/oder Bekannten Nahrung zu bekommen. Doch welche Erwartungen lasten auf den Schultern der Kinder?

Meine Erfahrungen sprechen dafür, dass Erwachsene ein Bild voller Erwartungen in sich tragen, die vom Kind erfüllt werden sollen. Steckt dahinter der Drang nach Perfektionismus? Und ist dies nicht längst überholt? Kein Kind der Welt muss ausschließlich gute Noten haben, um geliebt zu werden. Kinder müssen nicht nach Plan und Ordnung funktionieren, denn diese übertriebene Haltung löst doch am Ende nur einen gewaltigen Druck im eigenen Kind aus, was sich später, so meine Vermutung, negativ auf die Psyche des Menschen auswirkt. 

Ich dachte selbst immer perfekt sein zu müssen, um gemocht zu werden. Ich hatte gute Noten, machte Sport im Verein, lernte ein Instrument, interessierte mich für meine Freunde und versuchte einfach immer ‚gut genug’ zu sein. Doch damit hatte ich selbst auch Erwartungen. Ich wollte gemocht werden. Ich wollte keinen Streit und keine Last darstellen, kein Grund zur Sorge. Na ja, lief vielleicht nicht so wie geplant, aber ganz ehrlich? Ich bin froh darüber ab und an meinen eigenen Weg ohne Erwartungen zu gehen. Ich finde es außerordentlich wichtig, wenn Menschen auf die eigenen Bedürfnisse achten. Du willst nicht studieren, wie es dein Elternhaus möchte? Dann tue es nicht, denn es ist dein Leben und das führt man nicht für andere, sondern mit anderen zusammen. Vor allem, wenn eine Erwartungshaltung unrealistisch gestellt wird und nicht zum Charakter der Person oder Gruppe passt, stellt sich für mich die Frage, warum diese Erwartung gehegt wird. Die aufkommende Angst zu versagen und das Gefühl weniger wertvoll zu sein, führt zur Unsicherheit, Hemmungen und da verwundert es mich nicht, wenn man heutzutage von der Quarter- Life- Crisis spricht. 

In einer Gesellschaft sieht es natürlich nochmal anders aus. Erwartungen haben auch positive Eigenschaften, sie treiben an und bringen Menschen in Bewegung:

„Nichts ist für Gesellschaften fataler als die Überzeugung, am besten nichts mehr zu erwarten.“

Zudem können sie eine zwanglose Richtung, Inspiration und gewagt gesagt auch einen Sinn im Leben vorgeben. Jedoch finde ich, dass es dem Einzelnen selbst überlassen sein sollte, was er mit seinem Leben anstellt. Ich wäre nicht glücklich geworden, wenn ich mich nur den Erwartungen meiner Eltern hingegeben oder mich in zwischenmenschlichen Beziehungen selbst aufgegeben hätte, meine Ich- Identität wäre sowas von verloren gegangen. Okay, ist sie vielleicht schon, aber das ist ein anderes Thema. 

Mich macht es regelrecht wütend, wenn ich bemerke, dass Menschen traurig sind, weil sie den Erwartungen nicht entsprechen und sich mies deswegen fühlen. Ich meine, was sind das denn für befangene Geister, die denken, jemanden etwas vorschreiben zu dürfen/ müssen/ wollen. Fast euch doch an die eigene Nase und wie würdet ihr euch mit zu hohen Erwartungen fühlen? 

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