Aufhören zu kämpfen

„Ich verlasse die leuchtende Raupe, die in schmalen Metallschleifen nach Hause fährt. Ich verlasse meinen gewohnten Habitus und fühle mich dennoch wie damals. Ich verlasse die Natürlichkeit, die fein säuberlich angeordnet wie die Blätter am Baum, in mir steckt.
Der Schlüssel passt perfekt, öffnet meine Tür und ich falle ins Haus hinein. Die Fliesen auf dem Boden sind kalt. In mir ist es kalt, obwohl der Schweiß von meiner Stirn tropft. Ich schmecke das Salz von meiner Stirn und meinen Augen. Denn ohne mich aufhalten zu können, stolpere ich auf die Toilette und breche. Ich breche mich selbst, weil ich schlechte Gedanken hege und sie am liebsten wegfegen würde, aber ich bin nicht in meiner natürlichen Ordnung. Ich habe sie verlassen und damit mich selbst. Irgendetwas sagt mir leise, dass das auf mich lauerte. Ich breche aus, was sich die letzten Wochen anstaute, gar Monate, die ich so gut bewältigte, aber mehr verdrängte, als erlebte. Ich breche aus, weil es könnte so leicht sein, so leicht geschmeidig schweben, erleben und atmen – doch das kann ich gerade nicht und akzeptiert wird es auch nicht. Ich lasse mich gehen, sehne mich nach Trost, den ich nicht verdient habe. Nicht, weil ich Schuld trage – die gibt es nicht, sondern weil es meine Gedanken und mein Verhalten ist, welches die leuchtende Raupe entgleisen lässt. Dann kippe ich zur Seite, kippe beinahe von der Toilette gekrümmt nach unten, auf die Fliesen, die mich so kalt beherbergen und mich sein lassen, wie ich in diesem Moment bin.“

Ich möchte aufhören zu Kämpfen.

Nein, das wird nicht wieder ein Blogeintrag über melancholische Gefühlsstrudel, Suizidgedanken oder verschütteten Kaffee.
Ich begebe mich tagtäglich in einen Schlachtzug gegen mich selbst. Morgens stehe ich auf und habe selbst beim ersten Liderzucken ein schlechtes Gewissen, Schuldgefühle oder brummenden Magen, was es nicht besser macht, weil mein Kopf oder Gedankenwelt keine Zeichen meines Körpers hören oder fühlen möchte. Grummeln, weil ich Hunger habe? Nein. Schmerz, weil Schuhe reiben? Nein. Schwäche und brennende Augen, weil ich allergisch auf Pollen reagiere? Nein. Ich ignoriere gekonnt jegliche Regungen meines Körpers, zerstöre ihn wie ein Profi und halte gekonnt vorm Absturz an und kehre zu mir selbst zurück. Warum? Weil ich verdammt noch mal in mir einen gesunden Menschenverstand habe. Ich kenne die Theorie, habe irgendein Wissen in mir, dass es im Leben um mehr als nur mich geht. Es ist nicht meine Schuld, wenn Freunde und Familie kein Bock auf mich haben- wir ziehen weiter, erweitern unsere Horizonte und das sollte gefeiert werden. Eine Phase, in der es mir beschissen geht? Gut, ich weiß aber, wer oder was mir helfen kann. Da reiße ich mich zusammen, nachdem ich vielleicht mehr oder minder mein dysfunktionales Verhalten ausgelebt habe, und widme mich dem Guten. Ich will nicht mehr gegen mich kämpfen und ich will auch nicht mehr für mich kämpfen. Viel lieber nutze ich die Energie, um für jemanden Stütze und Halt zu sein. Viel lieber gebe ich Ratschläge, höre Menschen zu und verbringe mit ihnen Zeit. Denn diese Augenblicke finden nur einmal statt und sie sind wohltuend. Dieses Sozialisieren bringt am Ende mehreren etwas, schadet keinem und das Schönste ist das resultierende Gemeinschaftsgefühl. Während wir denken die Natur zu zerstören, obwohl sie uns überlegender ist, mahle ich mir einen Kaffee und nutze einfach die schöne, bunte, leuchtende Welt vor mir, um mir und auch in mir. Damit einher geht das Wahrnehmen meiner Bedürfnisse, sie auszuleben und einzugestehen. Ich darf essen, ich darf verärgert sein, ich darf im Bett liegen und ich darf die restliche Zeit auf meine Art und Weise glücklich sein, dieses Glück versprühen und hoffentlich andere damit glücklich machen. Aus diesem Grund habe ich letztendlich auch mein Buch veröffentlicht. Ich glaube damit einen sinnvollen Beitrag zu leisten. Um etwas anderes geht es doch im Leben nicht, oder? Wir wissen von Anfang an, dass wir irgendwann Asche unter der Erde sind, regen uns aber über so winzig kleine Sachen auf, die im Leben schief laufen. Es geht darum sich den eigenen Lebenssinn zu setzen, zu erfüllen und damit zufriedene Asche zu werden. Damit kann ich leben, mit diesem Gedanken komme ich klar. Somit lohnt es sich auch nicht auf kulturelle und gesellschaftliche Mythen bzw. Vorschriften zu hören. Alle müssen Yoga für ihre Lifestyle- Coolness machen. Alle müssen Kinder kriegen und Heiraten, weil NUR Familie die Zufriedenheit mit sich bringt. Alle müssen lässiger, verständnisvoller und kritischer sein.
Ich finde, wir müssen gar nichts, außer atmen, Mensch sein und am Ende sterben.

Ich bin mir sehr sicher, dass ich morgen wieder etwas anderes darüber denken werde. Lieber Leser, sehe es als Momentaufnahme einer nächtlichen Gedankenwelt.
Ich wünsche einen schönen Tag mit frischem Kaffee, Glückseligkeit mit euren Liebsten und ein Taschentuch an alle Allergiker.
Hatschi.

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