Identifikation

Ich wurde gefragt, warum ich nicht gern zu Poetry Slams gehe, wobei ich selbst bei ihnen mitmache. Meine Antwort war irgendetwas, weil ich keinen Comedy und keine Wettbewerbe mag. Aber jetzt, wenn ich so für mich im Bett liege und darüber nachdenke, dann ist die Antwort zwar wahr, aber nicht vollständig. Viel mehr sind es meine Zweifel, die mich hemmen. Denn diese Zweifel an mir und meiner Person bringen mich dazu mich mit anderen Menschen zu vergleichen und schneller, als ich Polle sagen kann, rutsche ich in eine Vergleichs- Spirale. In dieser Spirale schneide ich nie gut ab.
Es ist ein andauernder Zustand, dass ich mich frage, warum ich irgendeine Einstellung habe und vor allem, warum so so rasant wechselt. Ich befinde mich stetig im Zweifel, wer ich bin und wer ich nicht bin.

Es liegt in unserer Natur, dass wir uns mit etwas oder jemanden identifizieren möchten. Aber das kann ich nicht. Ich habe keinen Stil, keine Richtung- manchmal schwebe ich mit bunten Kleidern und weiten Hosen durch die Stadt und insgeheim wünsche ich mir meinen schwarzen Pulli und Boots zurück. Ich würde gern wieder die Sportliche sein, aber das bin ich nicht. Ich würde mich als offen beschreiben, aber bemerke, dass ich doch sehr schnell an verhärtete Grenzen stoße und diese nur schwer im sozialen Sinne durchbrechen kann.
Ich bin nicht mehr die Essgestörte, auch wenn der Teufel in mir lebt.
Manche Menschen gliedern sich ein und vollziehen somit einen Schachzug der Sozialisation. Sie sind aktiv oder passiv, Frühaufsteher und Langschläfer, Energienehmer oder -geber. Ja, das sind oberflächliche Schubladen. Doch für den ein oder anderen ist es wichtig, diese unbewusst zu leben. Diese kleinen Schubladen bieten Sicherheit im eigenen Sein und zum Einschätzen eines anderen Seins. Ich finde daran ist erstmal nichts verwerflich, solange man vielleicht nicht gerade verurteilt.

Ich weiß, dass ich ein Sonnenkind sein kann, aber vor Autoritäten oder Fremden werde ich ganz klein und denke sofort, dass ich minderwertig bin. Und wenn man sich selbst fremd ist, dann kommen einem sehr viele andere Menschen auch fremd vor. Jedenfalls ist das meine Erfahrung.

Es is hart in sich hinein zu hören, um zu erfahren, wer man ist und wohin man geht. Letztendlich bedeutet das, dass man sich mit sich selbst beschäftigen muss und ab und an ist es das unangenehmste auf der Welt. Es kann wehtun, es kann enttäuschen und es kann demotivierend sein. Aber vielleicht lohnt es sich ja am Ende, um sich dann nie wieder diese Fragen zu stellen, wer man ist.

2 Antworten auf „Identifikation

  1. Ob wir aufhören uns eines Tages diese Frage zu stellen bezweifle ich. Bin ich nun in der Schublade der Zweifler? Vielleicht ist es mit den Schubladen wie mit Matruschlas: öffnet sich eine, gibt es dort plötzlich viele kleine Unterschubladen in die ich mich legen kann. In manchen kann man vielleicht ausschlafen und in manchen ein früher Vogel sein. Hoffentlich sieht man irgendwann vor lauter Schubladen den Schrank nicht mehr.

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