Triggerwarnung: Hallo Essstörung,

Ich tue mich in letzter Zeit schwer. Mit was? Ich kann es nicht in Worte fassen und zunehmend kommt mir der Gedanke in den Sinn, dass ich das auch nicht darf. Meine Gedanken sagen mir, dass ich nichts über die Krankheit Anorexie Nervosa, Magersucht, schreiben darf, weil ich nicht untergewichtig bin- wobei man für eine Essstörung nicht untergewichtig sein muss.
Man lernt mich als von außen starken Menschen kennen, der die Dinge in die Hand nimmt und durchzieht. Maybe, aber ich möchte dieses Bild von mir aufrecht erhalten und somit schrecke ich zurück, wenn ich taumle und gestehe mir nicht ein, wenn es mal weniger gut läuft.
Ich tue mich in letzter Zeit schwerer als zuvor meinen Körper und mein Essverhalten zu akzeptieren. Ich schaue mir Bilder von vergangenen Monaten, gar Jahren an und wünschte mir wieder weniger zu sein. Ich wünschte mir so sehr, dass ich es Sehnsucht nennen würde, wieder rank und schlank zu leben und mir keine Sorge darum zu machen, ob man eine Wölbung am Bauch sieht, sich Cellulite am Oberschenkel abzeichnet oder mein Doppelkinn nicht sein eigenen Namen benötigt. Ich verfluche mich regelrecht für diese Gedanken und viel mehr dafür, dass ich die Pläne der Gewichtsabnahme nicht umsetze, sondern noch mehr Müsli esse. Eigentlich sollte ich wahrlich stolz sein, mein Körper ist gesund, ich kann essen und dies sogar ab und an vor anderen Menschen. Doch ich hege so einen riesengroßen Haufen Gedanken in meinem Kopf, dass ich am liebsten gar nicht leben würde statt mit diesem Ballast. Im nächsten Augenblick kommen Worte in meinem Kopf geschossen, dass ich mich mal nicht so anstellen soll, ich muss mich zusammenreißen und gefälligst froh über meinen Zustand und Umstand sein. Ich verbiete mir ‚rumzuheulen‘.

Täglich nehme ich mir vor am nächsten Tag weniger zu essen. Ich mache Pläne, reduziere Gluten, dann wieder nur flüßige Nahrung und am Ende esse ich doch wieder normal. Jede Woche ist abwechslungsreich und gleichzeitig monoton und routiniert. Irgendwelche Pläne, die nie eingehalten werden, Essanfälle, Hungern und dann mal wieder so tun als wäre alles furchtbar okay. Man mag es kaum glauben, aber ich schäme mich dafür, sodass es für mich eine Überwindung ist diese Gedanken hier preiszugeben, wobei sie in Fülle und Breite in meinem Buch beschrieben werden.

Jetzt würde ich gern noch ein wenig Mehrwert einfügen, doch was soll ich sagen. Traut euch zu essen? Ja, klar. Seid stolz Nahrung zu haben und zu genießen? Ja, klar. Ich habe keinen Rat parat, nur ein Gefühl, dass du, wenn du dich angesprochen fühlst, nicht allein bist.
Und vielleicht lohnt es sich einfach durchzuhalten, daran zu arbeiten. Denn wie sagt man, gute Dinge brauchen Zeit.

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