Triggerwarnung: Unbefangen Essen

Normalerweise bin ich im Essen ganz gut. Doch auch nach sieben Jahren weise ich Kontroll- und Vermeidungsverhalten auf. Manchmal habe ich panische Angst vor Nudeln, Reis und sonstigen Kohlenhydraten. Ich schäme mich vor anderen zu essen, mein Hungergefühl zuzugeben und hungere lieber, nur um einen Schein zu bewahren. Doch niemand würde letztendlich darauf achten, wie viel und was ich esse. Es spielt sich alles nur im Kopf ab, auch die Angst ist nicht real. 

Mein Ziel ist es irgendwann unbefangen essen zu können. Wie das klappen kann, habe ich meine Therapeutin gefragt, nachdem ich weinend vor ihr saß und fest davon überzeugt sagte, dass ich niemals wieder normal essen kann und für immer essgestörte Gedanken haben werde. Dass dem nicht so ist, kann ich mir nicht vorstellen, aber die Hoffnung sollte ja bekanntlich zuletzt sterben. 

Um mein Ziel zu erreichen, muss ich mir bewusst werden, vor was ich Angst habe, wie mein Verhalten genau aussieht und genau daran anknüpfen und leicht gesagt: einfach das Gegenteil tun. Das bedeutet für mich, dass ich vor anderen Menschen esse, wie viel und was ich mag, dass ich regelmäßig esse und somit Essanfälle vorbeuge, die mich seit 1,5 Jahren begleiten. Und so sehr ich wieder weniger wiegen möchte und an meinem Körper nicht die Muskeln, sondern Knochen wertschätze, es muss irgendwann ein Ende haben. Momentan kann ich noch nicht richtig daran glauben, aber ich weiß, dass es das Richtige ist, wenn ich daran arbeite und versuche mich zu bessern- und zwar in Richtung Gesundheit. 

Es dauert nicht mehr lange und bald wird es wieder kühler. Die Wintermonate bedeuteten für mich immer: „Rückfall“. Um dies möglichst zu umgehen, muss ich jetzt Vorkehrungen treffen und üben, mich meinen Ängsten stellen und dazu gehört zum Beispiel ein neuer Essensplan. Als ich 2013 in eine Klinik wegen Anorexia Nervosa kam, musste ich strikt nach Plan essen. Sobald ich entlassen wurde, hörte dies auf, da meine Eltern nichts davon hielten und es gar als schwachsinnig sahen. Seitdem konnte ich nie Pläne einhalten. Es wird für mich also eine Herausforderung, erst einmal einen guten Plan zu erstellen und dann auch mich daran zu halten. Wenn jemand also Tipps hat- die sind sehr willkommen.

Wenn ich dies geschafft habe, kann ich mich vom Plan ein wenig lockern und das unbefangene Essen hat gute Chancen. 

Selbst beim Tippen habe ich schon ein Kribbeln im Körper und Angst. Ich muss hinzufügen, dass ich normalgewichtig bin, sonst ergibt das hier ein falsches Bild.

Meine Mittagspause ist vorbei. 

Ich wünsche euch ein schönes bevorstehendes Wochenende.

PS: mehr über meine Geschichte bezüglich der Essstörung könnt ihr in meinem Buch nachlesen. 

Kuss & Schluss, Anne Pollenleben

4 Antworten auf „Triggerwarnung: Unbefangen Essen

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