Ohne Pille im Urlaub

Plötzlich stand mein Urlaub vor der Tür und neben Alpträumen, dass ich den Bus und Flieger verpasse, stand vor mir die Angst unerträglich zu sein.

Vor einer Woche bin ich mit einer Begleitperson in den Urlaub geflogen. Während ich mich selbst dafür verachte, dass ich überhaupt das Flugzeug benutzte, war ich mir nicht sicher, wie mein Gemütszustand sein wird.
Die Wochen davor waren wieder sehr leer, trüb und ich konnte mich tagein und tagaus als kalten Stein bezeichnen. Vor ein paar Monaten hätte ich diesen Dauerzustand gern gehabt, weil meine Gefühlslage wie ein Flummi hoch und runter ging. Doch wie gern hätte ich mal wieder geweint und länger als eine viertel Stunde gegrinst.
Durch die Pillen, die ich täglich nehme, stabilisiert sich meine Emotionswelt und schlägt in keine Extreme mehr aus. Da ich doch beschlossen habe, allein die Dosis zu senken, hatte ich Angst für meine Urlaubsbegleitung ein schrecklicher Haufen zu sein.
Ich rede hier von Antidepressiva, keine Wunderpillen, keine Happy-Pills und keine Pillen, die stark abhängig machen. Für mich sind es eher Stabilisatoren, ein kleiner Tritt in den Arsch oder auch eine schwebende Basis für meinen Geist.

Letztendlich war ich doch keine Zicke im Urlaub und die Lachanfälle kamen bei meiner Begleitung gut an. Ich bin gespannt, wie es weiterlaufen wird und ob ich überhaupt große Veränderungen mitbekommen werde.

Das Beste an der Reise war, dass ich genau an den Ort zurückging, wo einst alles begann und endete. Ich strandete in Maro; dort, wo ich anfing ein Buch zu schreiben, dort wo ich heulend am Ufer saß und dort, wo ich meine ‚ich schaue auf meine Armbanduhr‘- Sucht durchbrach. Dieser Ort ist für mich das Paradies und ich schrieb dieses Mal keinen weiteren Liebesbrief, aber ich habe so viele Zeilen gefüllt, dass ich daraus auf jeden Fall etwas machen werde.

Ich habe den Strand vermisst. Die Wellen, die gegen den Körper prallen. Das Schilf, welches die lange Treppe zum Paradies umzingelt und verzaubert.
Meine Begleitung nahm ich also mit auf eine Reise getreu meinem Buch, zeigte ihr bestimmte Ecken, Orte und erzählte die Geschichten dazu.
Für eine Woche kurz der Zeit entkommen, war genau das, was wir beide brauchten und ich kann dies nur jedem ans Herz legen!
Mir ist bewusst, dass sich sowas nicht immer mit dem Lebensalltag verbinden lässt, aber dafür muss man auch nicht nach Spanien fliegen. Jede Woche gehen mein bester Freund und ich auf Touri- Tour und entdecken unseren eigenen Wohnungsort neu, dabei vergessen wir die Zeit. Es gibt viele solche kleinen achtsamen Möglichkeiten, um den Alltag nicht zu entfliehen- sondern sich dem zu stellen.

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