Bald ist wieder Sonntag

Und dann kam dieser Sonntag, an dem mir Luft zum schnellen Atmen genommen wurde und die Wolken mich zur Glühbirne im Zimmer trieb. 

Auf Federn liegend, ohne dass ich mich im Labyrinth der Aufgaben verlief. 

Die Bettdecke zum Kinn und ja auch übern Fuß, nur das Knie lag kalt, frei und bloß. 

Die Lider waren schwer und wurden es immer mehr, obwohl der Geist schon Stunden weiter und gar im nächsten Monat und Jahr war. Irgendwann sehnt man sich an Sonntage zurück und weiß gar nicht, wie viel Glück man mit dieser gegebenen Freiheit hat, die sich scheinbar zu Ende neigt, wenn der Zeiger einen Alarm rausschreit. 

Die Beine in der Hand, werden klitschig und gleiten in den Dreck. Halt, stop. Da liegt eine Pfütze vor mir und ich blicke in das matte, schattenübersäte und ovale Gesicht, erschrecke mich und zucke zusammen- so habe ich mich am Sonntag nicht gefühlt und im Nu enthalten Augen Flammen. Da lodert eine Unzufriedenheit und schiebt die Schuld auf das Pfützlein vor mir und natürlich auf die Loden auf mir. So haben sich die Sonntagserfinder ein Menschenskind nicht vorgestellt, so furchtbar entstellt mit Farbe, Filz und Freude tief in mir drin, denn so kann ich kein Fang für die Werbungs- Meute sein.

Schneller als ich Sonntag sagen kann, frage ich mich, was falsch an mir ist, denn ich bemerke: ich bin kein Fang. So blicke ich erneut in die Pfütze hinein und schreie dabei nicht raus sondern in mich hinein. 

Als ich meine Beine nach einer erneuten Jagd losließ, stand ich auf Steinen und das Wasser vor mir hat mir Angst eingejagt. Es schien mit Ketten befestigt, jene die um meine Gelenke gewickelt sind und vor mir im Wasser das Bild von mir als Kind. Will ich rennen, helfen oder stehenbleiben, beginnen zu flennen und warten bis der nächste Sonntag kommt. Am Tage, wenn Advent und ein schwarzer Hund zum Bett vorbeikommt. Erst so befreit, leicht- federleicht, gedankenleicht. Und dann so schwer- steinschwer, gedankenschwer. Doch kein Sonntag der Welt kann die Ketten um Gelenke lösen, kein Sonntag der Welt gibt mir Zufriedenheit und Wahrheit. 

Ich setze mich nieder am Ufer, senke meinen Kopf und blicke immer schiefer. So kann ich das Treiben auf dem Fluss genauer erkennen, diese kleinen Strudel mit ihren Schlingen und das Reflektieren der Lichter. Erst weiter, weiter und dann dichter, immer dichter. Doch vom Blicken, Sitzen, Schauen und Gucken ändert sich nichts und der Atem bleibt schlicht, sodass der reine Körper leblos erscheint. 

Wie lange wollen wir noch warten, bis sich die Ketten von ganz allein lösen? Wie lange will ich mir noch einreden, dass ich keine Sonntage verdient habe und das Verdienen für mich in keiner Realität einen Sinn kürt, sondern nur das Zweifeln in mir drin den Lebensweg führt. 

Wenn ich könnte, dann würde ich es beenden. 

Doch ich bin besser im Zeit mit Pfützen und Ausreden verschwenden. 

Bald ist wieder Sonntag und diesen Tag werde ich mit so viel Liebe wie möglich erleben. Bald ist wieder Sonntag und dann werde ich mir die Bettdecke bis zum Kinn ziehen, dabei achten, dass nicht nur ich bedeckt bin.
Bald ist wieder Sonntag und dann kann ich von Neuem anfangen den Fokus auf Farbe, Filz und Freude zu richten, statt Zweifel mit einer Zeile Hass zu dichten. 

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