Mit Pille im Alltag

Vor nicht allzu langer Zeit habe ich darüber geschrieben, wie ich mit weniger Milligramm an Antidepressiva durch den Urlaub kam. Mir ging es sichtlich gut. Doch es dauerte nicht lang und ich musste mich meiner eigenen Wahrheit stellen. Dass es mir doch mehr hilft die ’normale‘ Dosis zu nehmen, weil ich es von selbst nicht schaffe meine Emotionen zu regulieren und mit Stresssituationen umzugehen. Vielleicht vermisse ich die Lachanfälle, aber die krassen Tiefs können mir ruhig gestohlen bleiben. Somit nehme ich brav jeden Abend meine Pille und ich muss sagen, dass es mir gut damit geht. Meine Laune schwankt zwar wie bisher im Minutentakt hin und her, aber im bestimmten Maße scheint dies normal zu sein. Ich muss mich nicht kränker oder gestörter reden, als ich es bin.

Bei meiner letzten Therapiestunde kam die Frage auf, was ein guter Mensch sei. Manch einer würde sagen, jener, der sich um andere kümmert, nett ist und sich sozialisiert und wieder andere würden die Moral als Indiz nennen. Da ich der Meinung war, dass ich kein guter Mensch bin, widmete ich meine Gedanken einer sehr guten Freundin, die mir mal wieder einen Realitätsspiegel vor die Augen hielt. Wir können nicht immer gut sein. Allein dadurch, dass wir verschiedene Rollen im Leben einnehmen, ist es wahrlich unmöglich in jeder Geschichte die gute Rolle aufrechtzuhalten. Und das ist okay so. Statt danach zu suchen, in welchen Momenten ich schlecht bin oder mich als solches wahrnehme, zum Beispiel wenn es um meinen Körper geht, als Freundin oder als Schreiberin, sollte ich mal darauf schauen, was denn irgendwie für mich akzeptabel an mir ist. Und bevor ich mir auch da Sachen und Aspekte suche, die ich kritisieren kann, schaue ich mich in der Gegenwart um. Jetzt gerade sitze ich am Laptop und dichte hier einen Text zusammen. Das ist nicht schlecht. Vor wenigen Minuten war spontan ein Freund da, dem ich Kaffee anbot. Das ist nicht schlecht.

Mir gelingt es nicht immer so zu denken, aber ich gebe mir Mühe und ich glaube, dass das erstmal ein guter Schritt ist. um ehrlich zu sein habe ich gar keine Hoffnung mehr irgendwann mich selbst zu akzeptieren, vor allem meinen Körper. Aber vielleicht werden es immer mehr andere Sachen, die ich gut finde.

Ich habe nur noch zwei Therapiesitzungen vor mir und obwohl mir das Angst bereitet, freue ich mich darauf. Denn das gibt mir die Chance selbstständig weiter an mir zu arbeiten und mich wirklich auf Erlerntes zu verlassen und in die Praxis umzusetzen. Ich muss einfach endlich damit anfangen die Skills zu nutzen, die ich kenne und die mir helfen. Ich muss endlich aufhören mich selbst zu verletzen, egal auf welchem Weg. Und ich muss endlich einfach mal klar kommen.

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