Wann bin ich gut genug?

Ich äußere mich gegen den gesellschaftlichen Wahn. Gegen das ‚Höher- Schneller- Weiter‘. Und in Momenten, wie diesem, werde ich mir knallhart bewusst, dass ich in dieser Spirale feststecke. 

Mein Kopf sagt mir, dass ich nicht gut genug bin. Ich schreibe unzählige Zeilen, doch es genügt nicht. Ich versuche mich zu sozialisieren, es genügt nicht. Ich gehe arbeiten und doch ist es nicht ‚das Richtige‘, man sieht mich in anderen Positionen oder ich bin plötzlich ‚eine von denen‘ geworden. 

Ich habe das Bedürfnis irgendetwas ausreichend und gut zu machen, aber solange dies in meinem Kopf festsitzt, werde ich mein Ziel nie erreichen. Denn es liegt auf der Hand, dass ich mir selbst erst genüge und Kritik als solche annehme, wenn ich mich selbst annehmen kann– und das kann ich offensichtlich nicht. 

Nein.

Meine Haare sind zu kratzig.

Mein Bauch ist so murmelig.

Meine Texte sind zu, keine Ahnung.

Meine Taten sind fehlerhaft.

Meine Vorhaben sind zu naiv. 

Ich könnte noch mehr aufzählen, aber dann würde ich mir noch dümmer vorkommen. Damit stehe ich 100%ig nicht allein da, solche Gedanken haben viele Erdlinge. Dennoch wollen alle, eingeschlossen mir, ernstgenommen werden. Natürlich sind das subjektive Gefühle und Gedanken, natürlich muss es nicht der Wahrheit entsprechen. Doch es ist unsere eigene Realität und wenn diese solch’ beklemmenden Brustkorb, Klos im Hals und hastige Atmung auslösen, kann man das schon mal besprechen und nicht wie Klopapier herunterspülen und hoffen, dass das Klo nicht verstopft. 

Manchmal ist der Drang nach einer anderen Anne so stark, dass ich mir einen Resetknopf wünsche, den ich betätigen kann und mich zu einen besseren Menschen macht. Aber so übel bin ich gar nicht, sagen sie. Ich kümmere mich um Verwandte, Bekannte und habe es mittlerweile nach Monaten des Chaos geschafft, meinen Fokus auf gesunde Beziehungen zu legen und das läuft wirklich wunderbar.
Doch kommt dann wieder an Gedanke an meine Pläne und Ziele, versacke ich und komme nicht dazu, zum Beispiel durch Visualisierung, meine Stärken und Schwächen zu erkennen, Hilfe anzunehmen und einfach mal zu machen- und zwar bis zum Schluss und keine halbe Sachen.

Die Erwartungen sind hoch.

Dabei schäme ich mich, denn obwohl sich mein Kopf und Körper sind peu á peu fertig machen, wenn ich in dieser Spirale stagniere, ist es ein sogenanntes Luxusproblem. Natürlich bin ich in einer fabelhaften Situation und ich kann glücklich sein, dass ich als gesundes Baby in Deutschland bei nettem Umfeld geboren wurde. Ich schäme mich, weil mein kleines Dilemma ist so nichtig, wenn ich über meinen Tellerrand hinausblicke. Ich bin mir dessen bewusst. Ich würde gern dieses Glück teilen und etwas Gutes tun, helfen und vielleicht sinnstiftend sein… Bei dem Gedanken komme ich wieder zurück zum ‚ich bin nicht gut genug‘, aber dieses Mal heißt es eher, dass da noch mehr Potenzial in mir steckt und ich bin nun auf der Suche, wie ich es aus mir herauslocken kann, ohne wieder daran zu verzweifeln und in Selbsthass zu ersticken.

Mir hat es geholfen meine Gefühle und Gedanken laut auszusprechen, statt nur nieder zu tippen, was aber ein guter Anfang zum Sortieren ist. Aus einer Spirale heraus zu kommen, ist nicht einfach, aber auch nicht unmöglich. Oftmals reicht es schon aus, wenn man sich neue Reize setzt. Sprich, den Kopf unter kaltes Wasser halten, in eine Zitrone beißen oder an Blumen riechen. Hilft dies nicht, gebe ich als Rat den Raum zu wechseln bzw. raus zu gehen und eine Runde um Block oder in die Natur zu gehen. Das wichtigste ist, so meine Erfahrung, wenn man bei all den supertollen Dingen versucht die Atmung bewusst zu erleben. Jedes Mal, wenn ich das mache, fühlt es sich am Anfang komisch an und ich würde am liebsten zurück in den Trott. Aber es lohnt sich, vertrau mir.

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