Kurze Geschichte & Borderline Tipp

„Feine kleine Kügelchen, die sich aufheizen können, wie frisches Brot im Ofen. Nur tritt man nicht mit Füßen auf Brot und droht sich zu verbrennen. Die Kügelchen schaffen das sehr wohl, dabei bleiben sie weich und wenn man genauer hinsieht glitzern sie, wenn das Meerwasser ankommt und sie befeuchtet. 

Von oben sieht es harmlos aus, sie sitzt in Sand, auf den feinen Kügelchen. Erkennen, was die tut, kann man nicht. Erst wenn man auf sie zukommt, erblickt man Teilchen, die weder ihren flatternden Haaren, noch den Kügelchen gleichen. Die zarte Hand, verbunden mit ihrem Arm, der zur Hälfte bedeckt von grünem Stoff ist, wandert von oben betrachtet seine Wege bedacht und in aller Ruhe. Von rechts nimmt sich die Hand etwas, behält sie für einen kurzen Wimpernschlag bei sich, bis das Teilchen von der Hand direkt vor ihr abgelegt wird. Wieder bewegt sich die Hand nach rechts und der Kopf von ihr dreht sich in dieselbe Richtung mit. Ein wenig neigt er sich zu einem Teilchen hin, als würde sie das kleine Stück mit einer Lupe betrachten wollen. Wieder landet das Teilchen vor ihr, paart sich mit einem der anderen Teilchen, die sie bereits ins Bewegung setzte.
Die Wellen rauschen immer lauter, die Sonne kräftigt sich und strahlt nun mehr als vor vielen Augenblicken. Es herrscht ein tummeln auf den Kügelchen, sie ist nicht allein. Nach und nach kommt ein jemand zu ihr, setzte sich neben sie und bewegt Teilchen von rechts zu ihr. Es sind große Besucher, manchmal auch ältere und zierliche. Doch alle haben etwas gemein, sie kommen und gehen, wie die Wellen es bei den Kügelchen gleich tun. Kommen und gehen. Da sein, etwas verändern und wieder von dannen ziehen. Der Schein färbt sich in ein sattes Orange. Doch das Kommen und Gehen zieht sich fort und die Teilchen vor ihr ergeben ein gestückeltes Bild. Zu erkennen sind weiche Konturen, weicher als es die Kügelchen unter und um den Teilchen sind. Auch die untergehende Sonne färbt die Teilchen ein. Alles fühlt sich warm und wohlig an. Die grünen Ärmel von ihr bewegen sich weiter, immer weiter, weiter und die Besuche kommen an ein Ende. Sie sitzt allein vor den Teilchen. Das Wasser wird ruhiger, die Wellen wurden dunkler und kommen nicht mehr weit zu ihr heran. Beim genaueren Blick auf das Bild vor ihr, kann man mehr als nur Konturen sehen. Sie betrachtet die Teilchen starr und hält in ihrer Position inne.
Wohin mag sie gehen, wenn die Dunkelheit einbricht? Wohin will sie sehen, wenn sie ihren Platz verlasst?
Ein Tropfen verweilt auf einem Teilchen, doch dieser kam nicht vom Wasser. Ihr Kopf neigt sich über das Bild. Ein Rundung, eine Strähne, ein Paar Mandeln und freundliche Wölbung. Ihr Gesicht ist zum ersten Mal erkenntlich und spiegelt sich in ihrem Puzzle wieder. Sie sammelte sich selbst zusammen, legte es besonnen vor sich und äugelte. Sie konnte sich selbst begutachten und tief in sich hineinschauen, während sich Luna ausbreitete und sie mit sich ins Kalte zog. Statt sich sich dem hinzugeben, erhob sie sich und ging ihren Mondscheingang. Doch sie sah anders aus, kein geneigter Kopf und keine zarten Bewegungen. Ihre Vergewisserung, wie ihr Anblick zu sein scheint, machte sie lebendig und emsig.“

In den letzten Tagen fiel es mir schwer auf die Veränderungen zu reagieren. Sobald sich etwas ändert, tendiere ich zu komischen Verhalten und meine Emotionen zu regulieren, erscheint mir gar unmöglich. Natürlich habe ich gelernt, wie ich dies schaffen kann. Das es ‚typisch Borderline‘ ist, nicht richtig zu wissen, wie man auf Veränderungen reagieren kann und sich dem schutzlos ausgesetzt fühlt, lernte ich während der dialektisch- behavioralen Therapie (DBT) ein paar Skills. Als mir irgendwann auffiel, dass mein Unmut, Gefühlsschwankungen und meine Antriebslosigkeit von beruflichen Veränderungen aufgrund Corona zustande kamen, handelte ich. Ich spielte Keyboard, saß auf dem Balkon, widmete mich meinem Puzzle. Doch es half mir nicht. Somit zog ich mir etwas anderes an und ging nach draußen, um zu telefonieren.

Plötzlich besänftigte mich ein einziger Satz. Mein Gesprächspartner hatte einen Einwand. „Sieh es doch als Chance für neue Erfahrungen, wenn du temporär versetzt wirst“.
So banal es klingen mag, aber auf diesen Gedanken kam ich zuvor nicht. Ich hatte Angst, woanders arbeiten zu müssen, länger Zuhause zu bleiben, oder ähnliches. Doch, dass genau diese Veränderungen auch für mich neue Erfahrungen mit sich bringen könnten, darauf kam ich nicht. Dieser Perspektivwechsel hat meiner Stimmung geholfen und damit wurde die Borderline Persönlichkeitsstörung in mir sehr leise. Plötzlich hatte ich Mut mich in ein neues Abenteuer zu stürzen, versuchte somit schlichtweg positiv zu denken.

Ich weiß, wie schwer es ist. Es ist alles anderes als leicht mit dem Schwarz- Malen aufzuhören und an etwas Positives zu denken.
Doch es ist am Ende sehr viel wert. Ich bin alles andere als ein Optimist, aber ich schätze es, dass ich jene in meinem Umfeld habe.
Von anderen Borderlinern habe ich erfahren, dass sich das positive Denken trainieren lässt. Allein das regelmäßige Aufschreiben von netten und guten Gedanken kann hilfreich sein- oder für was man am Tag dankbar war. Ja, das klingt kitschig und banal, aber wenn es wirklich dazu führt, dass man langfristig netter denkt und keine enormen Gefühlsschwankungen und Nervenzusammenbrüche erlebt, ganz ehrlich, dann warum nicht. Sei es noch so filmreif und an den Haaren herbeigezogen, wenn es hilft und man bereit für tiny Steps in Richtung Genesung ist, dann sollte man es ausprobieren.

Viel Glück.

2 Antworten auf „Kurze Geschichte & Borderline Tipp

  1. Stimme ich vollkommen zu! Danke für den Kommentar! Bei sich anfangen, scheint klein. Aber davor wegzurennen, lernen viele von uns schon im Kindesalter. Es kann zwar schwer, aber unfassbar bereichernd sein, wenn man sich selbst dadurch kennenlernt. Ich wünsche viel Spaß dabei & starke, ausdauernde Hände 😉

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